Im Sdosten unseres lieben deutschen Vaterlandes breitet sich ein Gebirge aus das man seiner groartigen Naturbeschaffenheit und seiner Ausdehnung halber das Riesengebirge nennt Es bildet einen Teil der Sudeten und scheidet Schlesien von Bhmen und Mhren Mchtige Berge wie die Riesen oder Schneekoppe das Hohe Rad und die Sturmhaube ragen weit in die Wolken hinein und zwischen den felsigen Hhen haben starke Flsse z B die Elbe und der Bober ihren Ursprung In diesem Gebirge haust wie sich das Volk erzhlt ein Gnom oder Geist der sich selbst als den Herrn oder Berggeist des Gebirges bezeichnet vom neckenden Volksmunde aber Rbezahl genannt wird Der Frst der Berggeister besitzt zwar auf der Oberflche der Erde nur ein kleines Gebiet von wenig Meilen im Umfang mit einer Kette von Bergen umschlossen aber wenige Klafter unter der urbaren Erdrinde hebt seine Alleinherrschaft an die ihm niemand schmlern kann und erstreckt sich auf achthundertsechzig Meilen in die Tiefe bis zum Mittelpunkt der Erde Zuweilen gefllt es dem unterirdischen Herrscher seine weitgedehnten Gebiete der Unterwelt zu durchkreuzen die unerschpflichen Schatzkammern edler Metalle und Fltze zu beschauen die Knappschaft der gnomenhaften Bergleute zu mustern und in Arbeit zu setzen teils um die Gewalt der Feuerstrme durch feste Dmme aufzuhalten teils um taubes Gestein in edles umzuwandeln Zuweilen entschlgt er sich aller unterirdischen Regierungssorgen erhebt sich zur Erholung auf die Grenzfeste seines Gebietes und hat sein Wesen auf dem Riesengebirge Dann treibt er in frohem bermute sein Spiel und Spott mit den Menschenkindern denn Freund Rbezahl mt ihr wissen hat eine sonderbare Natur Er ist bald launisch ungestm unbescheiden bald stolz eitel wankelmtig heute der wrmste Freund morgen fremd und kalt zuzeiten gutmtig edel und empfindsam aber mit sich selbst in stetem Widerspruch tricht und weise oft weich und hart in zwei Augenblicken wie ein Ei das in siedendes Wasser fllt schalkhaft und bieder strrisch und beugsam je nach der Stimmung welche ihn gerade beherrscht Vor uralten Zeiten schon toste Rbezahl im wilden Gebirge hetzte Bren und Auerochsen aufeinander da sie zusammen kmpften oder scheuchte mit unheimlichem Getse das scheue Wild vor sich her und strzte es von den steilen Felsenklippen hinab ins tiefe Tal Dieser Jagden mde zog er wieder seine Strae durch die weiten Gebiete der Unterwelt und weilte da Jahrhunderte bis ihn von neuem die Lust anwandelte sich an die Sonne zu legen und sich des Anblicks der ueren Schpfung zu erfreuen Wie nahms ihn wunder als er einst bei seiner Rckkehr auf die Oberwelt von dem beschneiten Gipfel des Riesengebirges umherschauend die Gegend ganz verndert fand Die dsteren undurchdringlichen Wlder waren ausgerodet und in fruchtbare Ackerfelder verwandelt wo reiche Ernten reiften Zwischen den Pflanzungen blhender Obstbume ragten die Strohdcher geselliger Drfer hervor aus deren Schornsteinen friedlicher Hausrauch in die Luft wirbelte hier und da stand eine einsame Warte auf dem Abhange eines Berges zu Schutz und Schirm des Landes in den blumenreichen Auen weideten Schaf und Kuhherden und aus den lichtgrnen Wldern tnten melodische Schalmeien Rbezahls erste Bekanntschaft mit den Menschen Die Neuheit der Sache und die Annehmlichkeiten des ersten Anblicks ergtzten den verwunderten Landesherrn so sehr da er ber die eigenmchtigen Ackerbauer die ohne seine Erlaubnis und Einwilligung hier wirtschafteten nicht unwillig ward auch nicht in ihrem Tun und Treiben sie zu stren begehrte sondern sie so ruhig im Besitz ihres angematen Eigentums lie wie ein gutmtiger Hausvater der geselligen Schwalbe oder selbst dem berlstigen Spatz unter seinem Obdach Aufenthalt gestattet Er ward sogar willens mit den Menschen Bekanntschaft zu machen ihre Art und Natur zu erforschen und mit ihnen Umgang zu pflegen Daher nahm er die Gestalt eines rstigen Ackerknechtes an und verdingte sich bei dem ersten besten Landwirt in Arbeit Alles was er unternahm gedieh wohl unter seiner Hand und Rips der Ackerknecht war fr den besten Arbeiter im Dorfe bekannt Aber sein Brotherr war ein Prasser und Schlemmer der den Erwerb des treuen Knechtes verschwendete und fr seine Mhe und Arbeit wenig Dank wute darum schied er von ihm und kam zu dessen Nachbar der ihm seine Schafherde anvertraute er wartete dieser fleiig trieb sie in Einden und auf steile Berge wo gesunde Kruter wuchsen Die Herde gedieh gleichfalls unter seiner Hand kein Schaf strzte vom Felsen herab und keins zerri der Wolf Aber sein Brotherr war ein karger Filz der seinen treuen Knecht nicht lohnte wie er sollte denn er stahl den besten Widder aus der Heide und krzte dafr den Hirtenlohn Darum entlief er dem Geizhals und diente dem Dorfrichter Hier bewhrte er sich bei Ergreifung der Diebe und berwachung der Gesetze Aber der Richter war ein ungerechter Mann richtete nach Gunst und spottete der Gesetze Weil Rips nun nicht das Werkzeug der Ungerechtigkeit sein wollte kndigte er dem Richter den Dienst auf und ward in den Kerker geworfen aus welchem er jedoch auf dem gewhnlichen Wege der Geister durchs Schlsselloch leicht einen Ausgang fand Dieser erste Versuch die Menschen kennen zu lernen konnte ihn unmglich zur Menschenliebe erwrmen er kehrte mit Verdru auf seine Felsenzinne im Gebirge zurck berschaute da die lachenden Gefilde welche menschlicher Flei verschnert hatte und wunderte sich da die Mutter Natur ihre Spenden an solche undankbaren Geschpfe verlieh Demungeachtet wagte er noch einen Versuch die Menschen zu beobachten schlich unsichtbar herab ins Tal und nherte sich den menschlichen Wohnsttten Wie Rbezahl zu seinem Namen kam So lauschte eines Tages Rbezahl hinter Busch und Hecken verborgen als pltzlich die Gestalt eines anmutigen Mdchens vor ihm stand Rings um sie hatten sich ihre Gespielinnen ins Gras gelagert an einen Wasserfall der seine Silberflut in ein kunstloses Becken go und scherzten mit ihrer Gebieterin in unschuldvoller Frhlichkeit Dieser Anblick wirkte so wundersam auf den lauschenden Berggeist da er seiner geistigen Natur und Eigenschaft verga und das Los der Sterblichen wnschte um nach Art der Menschen zu empfinden Deshalb verwandelte er sich in einen schwarzen Kolkraben und schwang sich auf einen hohen Eschenbaum der das Wasserbecken berschattete um das anmutsvolle Schauspiel zu genieen Doch dieser Plan war nicht zum besten ausgedacht er sah alles mit Rabenaugen und empfand als Rabe ein Nest Waldmuse hatte jetzt fr ihn mehr Anziehendes als das Mdchen denn die Seele wirkt in ihrem Denken und Wollen nie anders als in Gemheit des Krpers der sie umgibt Diese Bemerkung war ebenso schnell gemacht als der Fehler auch verbessert war der Rabe flog ins Gebsch und verwandelte sich in einen blhenden Jngling Das war der rechte Weg Die schne Maid war die Tochter des schlesischen Frsten der in der Gegend des Riesengebirges damals herrschte Sie pflegte oft mit den Jungfrauen ihres Hofes in den Hainen und Gebschen des Gebirges zu lustwandeln Blumen und duftende Kruter zu sammeln oder fr die Tafel ihres Vaters ein Krbchen Waldkirschen oder Erdbeeren zu pflcken und wenn der Tag hei war sich bei der Felsenquelle am Wasserfalle zu erfrischen und darin zu baden Von diesem Augenblick an war der Berggeist an diesen Ort wie gebannt und tglich harrte er der Wiederkehr der frhlichen Gesellschaft In der Mittagsstunde eines schwlen Sommertages besuchte sie wieder mit ihrem Gefolge die khlen Schatten am Wasserfalle Ihre Verwunderung war gro als sie den Ort ganz verndert fand die rohen Felsen waren mit Marmor und Alabaster bekleidet das Wasser strzte nicht mehr in einem wilden Strom von der steilen Bergwand sondern rauschte durch viele Abstufungen gebrochen mit sanftem Gemurmel in ein weites Marmorbecken herunter aus dessen Mitte ein rascher Wasserstrahl emporscho und in einen dichten Platzregen verwandelt den ein laues Lftchen bald auf diese bald auf jene Seite warf in den Wasserbehlter zurckpltscherte Sternblumen Lilien und Vergimeinnicht blhten an dessen Rande Rosenhecken mit Jasmin und Silberblten durchwunden zogen sich in einiger Entfernung durch den Raum dahin Rechts und links des Springbrunnens ffnete sich der doppelte Eingang einer prchtigen Grotte deren Wnde und Bogengewlbe in buntfarbiger Bekleidung prangten von Bergkristall und Frauenglas alles funkelnd und flimmernd da der Abglanz davon das Auge blendete In verschiedenen Nischen waren die mannigfaltigsten Erfrischungen aufgetischt deren Anblick zum Genu einlud Die Prinzessin stand lange in stummer Verwunderung da und wute nicht ob sie ihren Augen trauen diesen bezauberten Ort betreten oder fliehen sollte Aber sie konnte der Begierde nicht widerstehen alles zu beschauen und von den herrlichen Frchten zu kosten die fr sie aufgetragen zu sein schienen Nachdem sie sich mit ihrem Gefolge genug belustigt und alles fleiig durchmustert hatte kam sie Lust an in dem Wasserbecken zu baden Kaum aber war die liebliche Prinzessin ber den glatten Rand des Beckens hinabgeschlpft so sank sie in eine endlose Tiefe obgleich der betrgliche Silberkies der aus dem seichten Grund hervorschien keine Gefahr vermuten lie Schneller als die herzueilenden Jungfrauen das goldgelbe Haar der blonden Gebieterin erfassen konnten hatte die gierige Flut sie schon in die Tiefe gezogen Laut klagte die bange Schar der erschrockenen Mdchen als die Herrin vor ihren sichtlichen Augen dahinschwand sie rangen und wanden die schneeweien Hnde und liefen ngstlich am marmornen Gestade hin und her indes der Springbrunnen sie recht geflissentlich mit einem Platzregen nach dem andern bergo Doch wagte es keine der Entschwundenen nachzuspringen auer Brnhild ihrer liebsten Gespielin die nicht sumte sich in den grundlosen Wirbelstrom zu strzen gleiches Schicksal mit ihrer geliebten Gebieterin erwartend Aber sie schwamm wie ein leichter Kork auf dem Wasser und trotz aller Versuche war sie nicht imstande unterzutauchen Hier war kein anderer Rat als dem Knig das Unglck seiner Tochter mitzuteilen Wehklagend begegneten ihm die zagenden Mdchen als er eben mit seinem Jagdgefolge in den Wald zog Der Knig zerri sein Kleid vor Betrbnis und Entsetzen nahm die goldene Krone vom Haupte verhllte sein Angesicht mit dem Purpurmantel und beklagte laut den Verlust seiner schnen Tochter Emma Nachdem er der Vaterliebe den ersten Trnenzoll entrichtet hatte strkte er seinen Mut und machte sich auf um den wunderbaren Wasserfall selbst zu beschauen Aber der Zauber war verschwunden die rohe Natur stand wieder da in ihrer vorherigen Wildheit da war keine Grotte kein Marmorbad kein Rosengehege keine Jasminlaube Der gute Knig ahnte zum Glck nicht eine Verfhrung seiner Tochter sondern er nahm den Bericht der Mdchen auf Treu und Glauben an und meinte einer der Gtter sei bei dieser wunderbaren Begebenheit mit im Spiel gewesen setzte darauf die Jagd fort und trstete sich bald ber seinen Verlust Unterdessen befand sich die liebreizende Emma in des Berggeistes Schlosse nicht bel Er hatte sie durch eine geschickte Versenkung nur den Augen ihres Gefolges entzogen und fhrte sie durch einen unterirdischen Weg in einen prchtigen Palast zu welchem die vterliche Residenz in keinem Vergleich stand Als sich die Lebensgeister der Prinzessin wieder erholt hatten befand sie sich auf einem gewhnlichen Sofa angetan mit einem Gewand von rosenfarbener Seide und einem glnzenden lichtblauen Grtel Ein Jngling mit hbschem Antlitz lag zu ihren Fen und gestand ihr seine Liebe Der Berggeist denn er war es unterrichtete sie hierauf von seinem Stand und seiner Herkunft von den unterirdischen Staaten die er beherrschte fhrte sie durch die Zimmer und Sle des Schlosses und zeigte ihr dessen Pracht und Reichtum Ein herrlicher Lustgarten der mit seinen Blumenanlagen und Rasenpltzen dem Frulein ganz besonders zu behagen schien umgab das Schlo von drei Seiten Alle Obstbume trugen purpurrote mit Gold gesprenkelte oder zur Hlfte bergoldete Apfel wie sie kein Grtner zu ziehen vermag Das Gebsch war mit Singvgeln angefllt die ihre hundertstimmigen Lieder munter erschallen lieen In den traulichen Bogengngen lustwandelte das Paar sein Blick hing an ihren Lippen und mit Freuden hrte er ihre lieblichen Worte Nicht gleiche Wonne empfand die reizende Emma ein gewisser Trbsinn lag auf ihrer Stirn und offenbarte genugsam da geheime Wnsche in ihrem Herzen verborgen lagen die mit den seinigen nicht bereinstimmten Er machte gar bald diese Entdeckung und bestrebte sich durch tausend Liebesbeweise diese Wolken zu zerstreuen und die Prinzessin aufzuheitern doch vergebens Der Mensch so dachte er bei sich selbst ist gesellig wie die Biene und die Ameise der schnen Sterblichen gebrichts an Unterhaltung Wem soll sich das Mdchen mitteilen Fr wen ihren Putz ordnen mit wem darber zu Rate gehen Da kam ihm ein glcklicher Einfall Flugs ging er hinaus auf das Feld zog auf einem Acker ein Dutzend Rben aus legte sie in einen zierlich geflochtenen Korb und brachte diesen der schnen Emma welche einsam in der schattigen Laube eine Rose entbltterte Schnste der Erdentchter redete sie der Berggeist an verbanne allen Trbsinn aus deiner Seele und ffne dein Herz der geselligen Freude du sollst nicht mehr in meinem Heim einsam trauern In diesem Korbe ist alles was du bedarfst diesen Aufenthalt dir angenehm zu machen Nimm den kleinen buntgeschlten Stab und gib durch die Berhrung mit ihm den Gewchsen im Korbe die Gestalten welche dir gefallen Hierauf verlie er die Prinzessin und sie zgerte nicht einen Augenblick mit dem Zauberstabe nach Vorschrift zu verfahren nachdem sie den Korb geffnet hatte Brnhilde rief sie liebe Brnhilde erscheine Und Brnhilde lag zu ihren Fen umfate die Knie ihrer Gebieterin benetzte ihren Scho mit Freudentrnen und liebkoste sie freundlich wie sie sonst zu tun pflegte Die Tuschung war so vollkommen da Emma selbst nicht wute was sie von ihrer Schpfung halten sollte ob sie die wahre Brnhilde hingezaubert hatte oder ob ein Blendwerk das Auge betrog Sie berlie sich indessen ganz den Empfindungen der Freude ihre liebste Gespielin um sich zu haben lustwandelte mit ihr Hand in Hand im Garten lie sie dessen herrliche Anlagen bewundern und pflckte ihr goldgesprenkelte pfel von den Bumen Hierauf fhrte sie ihre Gespielin durch alle Zimmer im Palast bis in die Kleiderkammer wo sie soviel Unterhaltung fanden da sie bis zum Abend darin verweilten Alle Schleier Grtel Spangen wurden gemustert und anprobiert Brnhilde wute sich dabei so gut zu benehmen und zeigte so viel Geschmack in der Wahl und Anordnung des weiblichen Putzes da wenn sie ihrer Natur und Wesen nach nichts als eine Rbe war ihr niemand den Ruhm absprechen konnte die Krone ihres Geschlechts zu sein Der sphende Berggeist war entzckt ber den tiefen Blick den er in das weibliche Herz getan hatte und freute sich ber den glcklichen Fortgang in der Menschenkenntnis Die Prinzessin dnkte ihm jetzt schner freundlicher und heiterer zu sein als jemals Sie unterlie nicht ihren ganzen Rbenvorrat mit dem Zauberstabe zu beleben gab ihnen die Gestalt der Jungfrauen die ihr vordem aufzuwarten pflegten und weil noch zwei Rben brig waren so verwandelte sie die eine in eine Cyperkatze und aus der anderen schuf sie ein niedliches Hndchen Sie richtete nun ihren Hofstaat wieder ein teilte einer jeden der aufwartenden Dienerinnen ein gewisses Geschft zu und nie wurde eine Herrschaft besser bedient Die Mdchen kamen ihren Wnschen zuvor gehorchten auf den Wink und vollstreckten ihre Befehle ohne den mindesten Widerspruch Einige Wochen geno sie die Wonne des gesellschaftlichen Vergngens ungestrt Reihentnze Sang und Saitenspiel wechselten in dem Schlosse des Berggeistes vom Morgen bis zum Abend nur merkte die Prinzessin nach Verlauf einiger Zeit da die frische Gesichtsfarbe ihrer Gesellschafterinnen etwas abbleichte Der Spiegel im Marmorsaal lie sie zuerst bemerken da sie allein wie eine Rose aus der Knospe hervorblhte whrend die geliebte Brnhild und die brigen Jungfrauen welkenden Blumen glichen gleichwohl versicherten alle da sie sich wohl befnden und der freigebige Berggeist lie sie an seiner Tafel auch keinen Mangel leiden Dennoch zehrten sie sichtbar ab Leben und Ttigkeit schwand von Tag zu Tag mehr dahin und alles Jugendfeuer erlosch Als die Prinzessin an einem heiteren Morgen durch gesunden Schlaf gestrkt frhlich ins Gesellschaftszimmer trat wie schauderte sie zurck als ihr ein Haufen eingeschrumpfter Matronen an Stben und Krcken entgegenzitterte mit Keuchhusten beladen unvermgend sich aufrecht zu erhalten Das schkernde Hndchen hatte alle viere von sich gestreckt und der schmeichelnde Cyper konnte sich vor Kraftlosigkeit kaum noch bewegen Bestrzt eilte die Prinzessin aus dem Zimmer der schaudervollen Gesellschaft zu entfliehen trat hinaus auf den Sller und rief laut den Berggeist welcher alsbald in demtiger Stellung auf ihr Gehei erschien Boshafter Geist redete sie ihn zornig an warum mignnst du mir die einzige Freude meines harmlosen Lebens die Gesellschaft meiner ehemaligen Gespielinnen Ist die Einde nicht genug mich zu qulen willst du sie noch in ein Krankenhaus verwandeln Augenblicklich gib meinen Mdchen Jugend und Wohlgestalt wieder oder Ha und Verachtung soll deinen Frevel rchen Schnste der Erdentchter erwiderte der Berggeist zrne nicht ber die Gebhr Alles was in meiner Gewalt ist steht in deiner Hand aber das Unmgliche fordere nicht von mir Die Krfte der Natur gehorchen mir doch vermag ich nichts gegen ihre unwandelbaren Gesetze Solange Saft und Kraft in den Rben war konnte der Zauberstab ihr Pflanzenleben nach deinem Gefallen verwandeln aber ihre Sfte sind nun vertrocknet und ihr Wesen neigt sich nach der Zerstrung hin denn der belebende Geist ist verraucht Jedoch das soll dich nicht kmmern ein frisch gefllter Korb kann den Schaden leicht ersetzen du wirst daraus alle die Gestalten wieder hervorrufen die du begehrst Gib jetzt der Mutter Natur ihre Geschenke zurck die dich so angenehm unterhalten haben auf dem groen Rasenplatz im Garten wirst du bessere Gesellschaft finden Der Berggeist entfernte sich darauf und Prinzessin Emma nahm ihren buntgeschlten Stab zur Hand berhrte damit die gerunzelten Weiber las die eingeschrumpften Rben zusammen und tat damit was Kinder die eines Spielzeuges mde sind zu tun pflegen sie warf den Plunder in den Kehricht und dachte nicht mehr daran Leichtfig hpfte sie ber die grnen Matten dahin den frisch gefllten Korb in Empfang zu nehmen den sie aber nirgends fand Sie ging in dem Garten auf und nieder und sphte umher aber es wollte kein Korb zum Vorschein kommen Am Traubengelnder kam ihr der Berggeist entgegen mit so sichtbarer Verlegenheit da sie seine Bestrzung schon von ferne wahrnahm Du hast mich getuscht sprach sie wo ist der Korb geblieben Ich suche ihn schon seit einer Stunde vergebens Holde Gebieterin meines Herzens antwortete der Geist wirst du mir meinen Unbedacht verzeihen Ich versprach mehr als ich geben konnte ich habe das Land durchzogen Rben aufzusuchen aber sie sind lngst geerntet und welken in dumpfigen Kellern Die Fluren trauern unten im Tal ists Winter nur deine Gegenwart hat den Frhling an diesen Felsen gefesselt und unter deinem Futritte sprossen Blumen hervor Harre nur drei Monate in Geduld aus dann soll dirs nie an Gelegenheit gebrechen mit deinen Puppen zu spielen Ehe noch der Berggeist mit dieser Rede zu Ende war drehte ihm Prinzessin Emma den Rcken zu und begab sich in ihr Zimmer ohne ihn einer Antwort zu wrdigen Er aber hob sich von dannen in die nchste Marktstadt innerhalb seines Gebietes kaufte als ein Pachter gestaltet einen Esel den er mit schweren Scken Smereien belud und beste damit einen ganzen Morgen Landes Dabei bestellte er einen seiner dienstbaren Geister als Hter dem er aufgab ein unterirdisches Feuer anzuschren um die Saat von unten herauf mit linder Wrme zu treiben wie Ananaspflanzen in einem Treibhause Die Rbensaat scho lustig auf und versprach in kurzer Zeit eine reiche Ernte Frulein Emma ging tglich hinaus auf ihr Ackerfeld welches zu besehen sie mehr lstete als die goldenen pfel in ihrem Garten Aber Mimut trbte ihre Augen Sie weilte am liebsten in einem dsteren Tannenwldchen am Rande eines Quellbaches der sein silberhelles Gewsser ins Tal rauschen lie und warf Blumen hinein die in den Odergrund hinabflossen Der Berggeist sah wohl da bei allem Bestreben durch tausend kleine Geflligkeiten der schnen Emma Herz zu gewinnen kein Erfolg zu erwarten war Trotzdem ermdete seine hartnckige Geduld nicht ihren sprden Sinn zu berwinden Er war zu unerfahren in der Menschenkenntnis da er sich keine Vorstellung von der wahren Ursache der Widerspenstigkeit der Prinzessin machen konnte Er war der Meinung sie gehre nach allen Rechten ihm als dem ersten Besitznehmer Doch das war ein groer Irrtum Ein junger Grenznachbar an den Gestaden der Oder Frst Ratibor hatte bereits das Herz der holden Emma gewonnen Schon sah das glckliche Paar dem Tage seiner Hochzeit entgegen als die Braut mit einmal verschwand Diese Nachricht versetzte den jungen Frsten in groe Aufregung Er verlie seine Residenz zog menschenscheu in einsamen Wldern umher und klagte den Felsen sein Unglck Die treue Emma seufzte unterdessen ihren geheimen Gram in dem anmutigen Gefngnis aus sie bezwang aber ihre Gefhle im Herzen so da der sphende Geist nicht entrtseln konnte was fr Empfindungen sich darin regten Lange schon hatte sie darauf gesonnen wie sie ihn berlisten und aus der lstigen Gefangenschaft entfliehen mchte Nach mancher durchwachten Nacht sann sie endlich einen Plan aus der des Versuchs wrdig schien ihn auszufhren Der Lenz kehrte in die Gebirgstler zurck der Berggeist lie das unterirdische Feuer in seinem Treibhaus ausgehen und die Rben welche durch die Einflsse des Winters in ihrem Wachstum nicht gehindert worden waren gediehen zur Reife Die schlaue Emma zog tglich einige davon aus und machte damit Versuche ihnen allerlei beliebige Gestalten zu geben dem Anschein nach um sich damit zu belustigen aber ihre Absicht ging weiter Sie lie eines Tages eine kleine Rbe zur Biene werden um sie abzuschicken Kundschaft von ihrem Verlobten einzuziehen Flieg liebes Bienchen sprach sie gegen Sonnenaufgang zu Ratibor dem Frsten des Landes und summe ihm sanft ins Ohr da Emma noch fr ihn lebt aber eine Sklavin ist des Geistes vom Gebirge verlier kein Wort von diesem Grue und bring mir Botschaft von seiner Liebe Die Biene flog alsbald vom Finger ihrer Gebieterin wohin sie beordert war aber kaum hatte sie ihren Flug begonnen so scho eine gierige Schwalbe auf sie herab und verschlang zum groen Leidwesen der Prinzessin die Botschafterin der Liebe Darauf formte sie vermge des wunderbaren Stabes eine Grille und gab ihr denselben Auftrag Hpfe kleine Grille ber das Gebirge zu Ratibor dem Frsten des Landes und zirpe ihm ins Ohr die getreue Emma begehre Lsung ihrer Bande durch seinen starken Arm Die Grille flog und hpfte so schnell als sie konnte auszurichten was ihr befohlen war aber ein langbeiniger Storch promenierte eben an dem Wege welchen die Grille zog erfate sie mit seinem langen Schnabel und versenkte sie in das Verlies seines weiten Kropfes Diese milungenen Versuche schreckten die entschlossene Emma nicht ab einen neuen zu wagen sie gab der dritten Rbe die Gestalt einer Elster Flieg hin beredsamer Vogel sprach sie von Baum zu Baum bis du gelangst zu Ratibor meinem Verlobten erzhle ihm von meiner Gefangenschaft und gib ihm Bescheid da er meiner harre mit Rossen und Mannen den dritten Tag von heute an der Grenze des Gebirges im Maiental bereit den Flchtling aufzunehmen der seine Ketten zu zerbrechen wagt und Schutz von ihm begehrt Die Elster gehorchte flatterte von einem Ruheplatz zum andern und die sorgsame Emma begleitete ihren Flug soweit das Auge trug Der harmvolle Ratibor irrte noch immer trben Sinnes in den Wldern herum die Rckkehr des Lenzes und die wiederauflebende Natur hatten seinen Kummer nur gemehrt Er sa unter einer schattigen Eiche dachte an seine Prinzessin und seufzte laut Emma Alsbald gab das vielstimmige Echo ihm diesen geliebten Namen schmeichelnd zurck aber zugleich rief auch eine unbekannte Stimme den seinigen aus Er horchte hoch auf sah niemand whnte eine Tuschung und hrte den nmlichen Ruf wiederholen Kurz darauf erblickte er eine Elster die auf den Zweigen hin und herflog und vernahm da der geschwtzige Vogel ihn beim Namen rief Armer Schwtzer sprach er wer hat dich gelehrt diesen Namen auszusprechen der einem Unglcklichen zugehrt welcher wnscht von der Erde vertilgt zu sein wie sein Gedchtnis Hierauf fate er erregt einen Stein und wollte ihn nach dem Vogel schleudern als dieser den Namen Emma hren lie Dies Zauberwort entkrftete den Arm des Prinzen frohes Entzcken durchschauerte alle seine Glieder und in seiner Seele bebte es leise nach Emma Aber der Sprecher auf dem Baume begann mit der dem Elsterngeschlecht eigenen Beredsamkeit den Spruch den man ihm anvertraut Frst Ratibor vernahm kaum die frhliche Botschaft da wards hell in seiner Seele der tdliche Gram der die Sinne gefangen hatte verschwand er kam wieder zu Gefhl und Besinnung und forschte mit Flei von der Glcksverknderin nach dem Schicksal seiner Braut aber die gesprchige Elster konnte nur ihr Sprchlein ohne Aufhren wiederholen und flatterte davon Schnellen Fues eilte Ratibor zu seinem Hoflager zurck rstete eilig das Geschwader der Reisigen bestieg sein Ro und zog mit ihnen hoffnungsfreudig zum Maientale um das Abenteuer zu bestehen Emma hatte unterdessen mit weiblicher Schlauheit alles vorbereitet ihr Vorhaben auszufhren Sie lie ab den geduldigen Berggeist mit krnkender Klte zu behandeln ihr Auge sprach Hoffnung und ihr sprder Sinn schien beugsamer zu werden Solche glcklichen Anzeichen lie der Berggeist nicht ungentzt Er erneuerte seine Werbung und wurde nicht zurckgewiesen Den folgenden Morgen kurz nach Sonnenaufgang trat die schne Emma geschmckt wie eine Braut hervor mit allem Geschmeide beladen das sich in ihrem Schmuckkstlein gefunden hatte Ihr blondes Haar war in einen Knoten geschlungen welchen eine Myrtenkrone berschattete von welcher ein Schleier lang herabwallte der Besatz ihres Kleides funkelte von Juwelen und als der harrende Berggeist auf der groen Terrasse im Lustgarten ihr entgegenwandelte freute er sich dieses Anblickes Himmlisches Mdchen stammelte er ihr entgegen verweigere mir nicht lnger den bejahenden Blick der mich zum glcklichsten Wesen macht das jemals die Sonne bestrahlt hat Die Prinzessin hllte sich dichter in ihren Schleier und antwortete Vermag eine Sterbliche dir zu widerstehen mein Gebieter Deine Standhaftigkeit hat den Sieg davongetragen Nimm dieses Gestndnis von meinen Lippen aber la meine Trnen diesen Schleier verhllen Warum Trnen o Geliebte entgegnete ihr der beunruhigte Geist jede deiner Trnen fllt wie ein brennender Tropfen auf mein Herz ich will nur deine Liebe nicht aber Aufopferung Ach erwiderte Emma warum mideutest du meine Trnen Mein Herz lohnt deine Freundschaft aber bange Ahnung zerreit meine Seele Du alterst nimmer aber irdische Schnheit ist eine Blume die bald dahinwelkt Woran soll ich erkennen da du ein liebevoller geflliger duldsamer Gemahl sein werdest Er antwortete Fordere einen Beweis meiner Treue oder des Gehorsams in Ausrichtung deiner Befehle oder stelle meine Geduld auf die Probe und beurteile alsdann die Strke meiner unwandelbaren Liebe Es sei also antwortete die schlaue Emma ich fordere nur einen Beweis deiner Geflligkeit Gehe hin und zhle die Rben alle auf dem Acker mein Hochzeitstag soll nicht ohne Zeugen sein ich will sie beleben damit sie mir zu Brautjungfrauen dienen aber hte dich mich zu tuschen und verzhle dich nicht um eine denn das ist die Probe woran ich deine Treue prfen will So ungern sich der Berggeist in diesem Augenblicke von seiner lieblichen Braut trennte so gehorchte er doch ohne Sumen machte sich rasch an die Arbeit und hpfte hurtig wie ein Star unter den Rben herum Er kam durch diese Geschftigkeit mit seiner Zhlung bald zustande doch um der Sache recht gewi zu sein wiederholte er seine Rechnung nochmals und fand zu seinem Verdru eine Abweichung bei Feststellung der Summen welche ihn ntigte zum dritten Male die Rbenhupter durchzumustern Aber diesmal ergab sich eine andere Summe Die schlaue Emma hatte nicht sobald den Berggeist aus den Augen verloren als sie zur Flucht Anstalt machte Sie hielt eine saftige wohlgenhrte Rbe in Bereitschaft welche sie flugs in ein mutiges Ro mit Sattel und Zeug verwandelte Rasch schwang sie sich in den Sattel flog ber die Heiden und Steppen des Gebirges dahin und das flchtige Ro brachte sie ohne zu straucheln auf seinem sanften Rcken hinab ins Maiental wo sie dem geliebten Ratibor welcher der Kommenden ngstlich entgegenharrte sich frhlich in die Arme warf Der geschftige Berggeist hatte sich indessen so in seine Zahlen vertieft da er nichts von dem was um ihn und neben ihm geschah wute Nach langer Mhe und Anstrengung wars ihm endlich gelungen die wahre Zahl der Rben auf dem Ackerfelde klein und gro mit eingerechnet zu finden Er eilte nun froh zurck sie seiner Herzensgebieterin gewissenhaft zu berichten und durch die pnktliche Erfllung ihrer Plne sie zu berzeugen da er ihr ein geflliger Gemahl sein werde Mit Selbstzufriedenheit trat er auf den Rasenplatz aber da fand er nicht was er suchte er lief durch die bedeckten Lauben und Gnge aber auch da war nicht was er begehrte er kam in den Palast durchsphte alle seine Winkel rief den teuren Namen Emma aus den ihm die einsamen Hallen zurcktnten begehrte einen Laut von dem geliebten Munde zu hren doch da war weder Stimme noch Rede Das fiel ihm auf er merkte Unrat flugs warf er die schwerfllige Verkrperung ab schwang sich hoch in die Luft und sah die fliehende Emma in der Ferne als eben das schnellfige Ro ber die Grenze setzte Wtend ballte der ergrimmte Geist ein paar friedlich vorberziehende Wolken zusammen und schleuderte einen krftigen Blitz der Fliehenden nach der eine tausendjhrige Grenzeiche zersplitterte aber darber hinaus war seine Rache kraftlos und die Donnerwolke zerflo in einen sanften Heiderauch Nachdem er die oberen Luftregionen verzweiflungsvoll durchkreuzt und seine strmende Leidenschaft ausgetobt hatte kehrte er trbsinnig in den Palast zurck schlich durch alle Gemcher und erfllte sie mit Seufzen und Sthnen Nachher besuchte er noch einmal den Lustgarten doch diese ganze Zauberschpfung hatte keinen Reiz mehr fr ihn Der Gedanke an die Tage welche hier die Ungetreue verlebt hatte beschftigte ihn mehr als die goldenen pfel und prchtigen Blumen Die Erinnerung an sie erwachte wieder an jedem Platze wo sie vormals ging und stand wo sie Blumen gepflckt wo er sie oft unsichtbar belauscht oft trauliche Unterredungen mit ihr gepflogen hatte Alles das bedrckte ihn so sehr da er unter der Last seiner Gefhle in dumpfes Hinbrten versank Bald darauf brach sein Unmut in grliche Verwnschungen aus und er verma sich hoch und teuer der Menschenkenntnis ganz zu entsagen und von diesem argen betrglichen Geschlechte fernerhin keine weitere Kenntnis zu nehmen In dieser Entschlieung stampfte er dreimal auf die Erde und der ganze Zauberpalast mit all seiner Herrlichkeit kehrte in sein ursprngliches Nichts zurck Der Abgrund aber sperrte seinen weiten Rachen auf und der Berggeist fuhr hinab in die Tiefe bis in die entgegengesetzte Grenze seines Gebietes in den Mittelpunkt der Erde und nahm Bitterkeit und Menschenha mit dahin Whrend dieses Vorganges im Gebirge war Frst Ratibor geschftig seine Braut in Sicherheit zu bringen und fhrte sie mit frstlichem Geprnge an den Hof ihres Vaters zurck Daselbst wurde ihre Vermhlung gefeiert Er teilte mit seiner Gattin den Thron seines Erbes und erbaute die Stadt Ratibor die noch seinen Namen trgt bis auf diesen Tag Das sonderbare Abenteuer der Prinzessin welches ihr auf dem Riesengebirge begegnet war insbesondere ihre khne Flucht wurde das Mrchen des Landes pflanzte sich von Geschlecht zu Geschlecht fort bis in die entferntesten Zeiten Die Bewohner der umliegenden Gegenden die den Nachbar Berggeist bei seinem Geisternamen nicht zu nennen wuten legten ihm einen Spottnamen bei und riefen ihn fortan Rbezhler oder kurzweg Rbezahl Rbezahl und der Schneider Benedix Der unmutsvolle Berggeist verlie die Oberwelt mit dem Entschlu nie wieder das Tageslicht zu schauen doch die wohlttige Zeit verwischte nach und nach die Eindrcke seines Grams gleichwohl war ein Zeitraum von neunhundertneunundneunzig Jahren erforderlich ehe die alte Wunde ausheilte Endlich da ihn die Beschwerde der Langeweile drckte und er einstmals sehr bel aufgerumt war brachte sein Liebling und Hofschalksnarr in der Unterwelt ein drolliger Kobold eine Lustpartie aufs Riesengebirge in Vorschlag welchem Rbezahl gern zustimmte Es war nur eine Minute ntig so war die weite Reise vollendet und er befand sich mitten auf dem groen Rasenplatz seines ehemaligen Lustgartens dem er nebst dem brigen Zubehr die vorige Gestalt gab doch blieb alles fr menschliche Augen verborgen die Wanderer die bers Gebirge zogen sahen nichts als eine frchterliche Wildnis Der Anblick dieser Gegenstnde erneuerte alle Erinnerungen an die schne Emma ihr Bild schwebte ihm noch so deutlich vor als stnde sie neben ihm Aber die Vorstellung wie sie ihn berlistet und hintergangen hatte machte seinen Groll gegen die ganze Menschheit wieder rege Unseliges Erdengewrm rief er aus indem er aufschaute und vom hohen Gebirge die Trme der Kirchen und Klster in Stdten und Flecken erblickte du treibst sehe ich dein Wesen noch immer unten im Tale Hast mich gefft durch Tcke und Rnke sollst mir nun ben will dich auch hetzen und plagen da dir soll bange werden vor dem Treiben des Geistes im Gebirge Kaum hatte er dies Wort gesagt so vernahm er in der Ferne Menschenstimmen Drei junge Gesellen wanderten durchs Gebirge und der keckste unter ihnen rief ohne Unterla Rbezahl komm herab Rbezahl Mdchendieb Von undenklichen Jahren her hatte der Volksmund die Entfhrungsgeschichte des Berggeistes getreulich aufbewahrt sie wie gewhnlich mit lgenhaften Zustzen vermehrt und jeder Reisende der das Riesengebirge betrat unterhielt sich mit seinen Gefhrten von den Abenteuern desselben Man trug sich mit unzhligen Spukgeschichten die sich niemals begeben hatten machte damit zaghafte Wanderer frchten und die starken Geister und Witzlinge die an keine Gespenster glaubten machten sich darber lustig pflegten aus bermut oder um ihre Herzhaftigkeit zu beweisen den Geist oft zu rufen aus Schkerei bei seinem Spottnamen zu nennen und auf ihn zu schimpfen Man hat nie gehrt da dergleichen Beleidigungen von dem friedsamen Berggeiste wren gergt worden denn in den Tiefen des Abgrundes erfuhr er von diesem mutwilligen Hohn kein Wort Desto mehr war er betroffen da er sein ganzes Abenteuer mit der Prinzessin jetzt so kurz und bndig ausrufen hrte Wie der Sturmwind raste er durch den dsteren Fichtenwald und war schon im Begriff den armen Tropf der sich ohne Absicht ber ihn lustig gemacht hatte zu erdrosseln als er in dem Augenblick bedachte da eine so empfindliche Rache groes Geschrei im Lande erregen alle Wanderer aus dem Gebirge wegbannen und ihm die Gelegenheit rauben wrde sein Spiel mit den Menschen zu treiben Darum lie er ihn und seine Gefhrten ruhig ihre Strae ziehen mit dem Vorbehalt seinen verbten Mutwillen ihm doch nicht ungestraft hingehen zu lassen Auf dem nchsten Scheidewege trennte sich der Hohnsprecher von seinen Kameraden und gelangte diesmal mit heiler Haut in Hirschberg seiner Heimat an Aber als unsichtbarer Geleitsmann war ihm Rbezahl bis zur Herberge gefolgt um ihn zu gelegener Zeit dort zu finden Jetzt trat er seinen Rckweg ins Gebirge an und sann auf ein Mittel sich zu rchen Da begegnete ihm auf der Landstrae ein reicher alter Handelsmann der nach Hirschberg wollte da kam ihm in den Sinn diesen zum Werkzeug seiner Rache zu gebrauchen Er gesellte sich also zu ihm in Gestalt des losen Gesellen der ihn gefoppt hatte und plauderte freundlich mit ihm fhrte ihn unbemerkt seitab von der Strae und da sie ins Gebsch kamen fiel er dem Hndler mrderisch in den Bart zauste ihn weidlich ri ihn zu Boden knebelte ihn und raubte ihm seinen Sckel worin er viel Geld und Geschmeide trug Nachdem er ihn mit Faustschlgen und Futritten zum Abschied noch gar bel zugerichtet hatte ging er davon und lie den armen geplnderten Mann halbtot im Busche liegen Als sich der Hndler von seinem Schrecken erholt hatte und wieder Leben in ihm war fing er an zu wimmern und laut um Hilfe zu rufen denn er frchtete in der grausenvollen Einde zu verschmachten Da trat ein feiner ehrbarer Mann zu ihm dem Ansehen nach ein Brger aus einer der umliegenden Stdte fragte warum er so sthne und als er ihn geknebelt fand lste er ihm die Bande von Hnden und Fen und leistete ihm alles das was der barmherzige Samariter im Evangelium dem Manne tat der unter die Mrder gefallen war Nachher labte er ihn mit einem krftigen Schluck Lebenswasser das er bei sich trug fhrte ihn wieder auf die Landstrae und geleitete ihn freundlich bis nach Hirschberg an die Tr der Herberge dort reichte er ihm einen Zehrpfennig und schied von ihm Wie erstaunte der Hndler als er beim Eintritt in den Krug seinen Ruber am Zechtisch erblickte so frei und unbefangen als ein Mensch sein kann der sich keiner beltat bewut ist Er sa hinter einem Schoppen Landwein trieb Scherz und gute Schwnke mit anderen lustigen Zechbrdern und neben ihm lag der nmliche Rucksack in welchen er den geraubten Sckel geborgen hatte Der bestrzte Hndler wute nicht ob er seinen Augen trauen sollte schlich sich in einen Winkel und ging mit sich selbst zu Rate wie er wieder zu seinem Eigentum gelangen mchte Es schien ihm unmglich sich in der Person geirrt zu haben darum schlich er sich unbemerkt zur Tr hinaus ging zum Richter und machte ihm Mitteilung von dem ruberischen berfall Das Hirschberger Gericht stand damals in dem Rufe da es schnell und ttig sei Recht und Gerechtigkeit zu handhaben Hscher bewaffneten sich mit Spieen und Stangen umringten das Schenkhaus griffen den unschuldigen Verbrecher und fhrten ihn vor die Schranken der Ratsstube wo sich die weisen Vter indes versammelt hatten Wer bist du fragte der ernsthafte Stadtrichter als der Angeklagte hereintrat und von wannen kommst du Er antwortete freimtig und unerschrocken Ich bin ein ehrlicher Schneider meines Handwerks Benedix genannt komme von Liebenau und stehe hier in Arbeit bei meinem Meister Hast du nicht diesen Mann im Walde mrderisch berfallen bel geschlagen gebunden und seines Sckels beraubt Ich habe diesen Mann nie mit Augen gesehen hab ihn auch weder geschlagen noch gebunden noch seines Sckels beraubt Ich bin ein ehrlicher Znftler und kein Straenruber Womit kannst du deine Ehrlichkeit beweisen Mit dem Ausweis ber meine Kundschaft und dem Zeugnis meines guten Gewissens Weis auf deine Kundschaft Benedix ffnete getrost den Rucksack denn er wute wohl da er nichts als sein wohlerworbenes Eigentum darin verwahrte Doch wie er ihn ausleerte sieh da da klingelts unter dem herausstrzenden Plunder wie Geld Die Hscher griffen hurtig zu breiteten den Kram auseinander und zogen den schweren Sckel hervor welchen der erfreute Handelsmann alsbald als sein Eigentum nach Feststellung des Tatbestandes zurckforderte Der arme Schneider stand da wie vom Donner gerhrt wollte vor Schrecken umsinken ward bleich die Lippen bebten die Knie wankten er verstummte und sprach kein Wort Des Richters Stirn verfinsterte sich und eine drohende Gebrde weissagte einen strengen Bescheid Wie nun Bsewicht donnerte der Stadtvogt Erfrechst du dich noch den Raub zu leugnen Erbarmung gestrenger Herr Richter winselte der Angeklagte auf den Knien mit hochaufgehobenen Hnden Alle Heiligen im Himmel ruf ich zu Zeugen an da ich unschuldig bin an dem Raube ich wei nicht wie des Hndlers Sckel in meinen Rucksack gekommen ist Gott wei es Du bist berwiesen fuhr der Richter fort der Sckel beweist genugsam das Verbrechen tue Gott und der Obrigkeit die Ehre und bekenne freiwillig ehe der Peiniger kommt dir das Gestndnis der Wahrheit abzufoltern Der gengstigte Benedix konnte nichts als sich auf seine Unschuld berufen aber er predigte tauben Ohren man hielt ihn fr einen hartnckigen Gaudieb der sich nur aus der Halsschlinge herausleugnen wollte Meister Hmmerling der Foltermeister wurde herbeigerufen durch die sthlernen Grnde seiner Beredsamkeit ihn zu veranlassen Gott und der Obrigkeit die volle Wahrheit zu bekennen Jetzt verlie den armen Wicht die standhafte Freudigkeit seines guten Gewissens er bebte zurck vor den Qualen die seiner warteten Da der Folterer im Begriff war ihm die Daumenschrauben anzulegen bedachte er da dies ihn untchtig machen wrde jemals wieder mit Ehren die Nadel zu fhren und ehe er wollte ein verdorbener Kerl bleiben sein Leben lang meinte er es sei besser der Marter mit einem Male ledig zu werden und gestand das Bubenstck ein von welchem sein Herz nichts wute Die Verhandlung wurde nun kurzerhand abgetan und der Angeklagte ohne da sich das Gericht teilte von Richtern und Schppen zum Strange verurteilt welcher Rechtsspruch zur Ersparung der Verpflegungskosten gleich tags darauf bei frhem Morgen vollzogen werden sollte Alle Zuschauer welche das hochnotpeinliche Halsgericht herbeigelockt hatte fanden das Urteil des wohlweisen Magistrats gerecht und billig doch keiner rief den Richtern lauteren Beifall zu als der barmherzige Samariter der mit in die Gerichtsstube eingedrungen war und nicht satt werden konnte die Gerechtigkeitsliebe der Herren von Hirschberg zu erheben und in der Tat hatte auch niemand nheren Anteil an der Sache als eben dieser Menschenfreund der mit unsichtbarer Hand des Hndlers Sckel in des Schneiders Rucksack verborgen hatte und kein anderer als Rbezahl selbst war Schon am frhen Morgen lauerte er am Hochgericht in Rabengestalt auf den Leichenzug der das Opfer seiner Rache dahin begleiten sollte und es regte sich bereits in ihm der Rabenhunger dem neuen Ankmmling die Augen auszuhacken aber diesmal harrte er vergebens Ein frommer Ordensbruder der es sich angelegen sein lie die zum Tode Verurteilten zur Sinnesnderung und Bue zu bekehren fand den Schneidergesellen so unwissend im Christenglauben da er den Magistrat um einen dreitgigen Aufschub der Hinrichtung bat Als Rbezahl davon hrte flog er ins Gebirge die Vollstreckung des Urteils daselbst zu erwarten In diesem Zeitraume durchstrich er nach seiner Gewohnheit die Wlder und erblickte auf dieser Streiferei eine junge Dirne die sich unter einem schattenreichen Baum gelagert hatte Ihr Haupt sank schwermtig auf die Brust hinab ihre Kleidung war nicht kostbar aber reinlich und der Zuschnitt daran brgerlich Von Zeit zu Zeit verwischte sie mit der Hand eine herabrollende Zhre von den Wangen und schwere Seufzer entrangen sich ihrer Brust Schon ehemals hatte der Berggeist die mchtigen Eindrcke jungfrulicher Trnen empfunden auch jetzt war er so gerhrt davon da er von dem Vorsatz welchen er sich auferlegt hatte alle Menschenkinder die durchs Gebirge ziehen wrden zu tcken und zu qulen zum ersten Male abging die Empfindung des Mitleids sogar als ein wohltuendes Gefhl erkannte und Verlangen trug das Mdchen zu trsten Er verwandelte sich wieder in einen ehrbaren Brger trat freundlich zu der jungen Dirne und sprach Mgdlein was trauerst du hier in der Wste so einsam Verhehle mir nicht deinen Kummer da ich zusehe wie dir zu helfen sei Das Mdchen das ganz in Schwermut versunken war schreckte auf da sie diese Stimme hrte und erhob ihr gesenktes Haupt Zwei helle Trnen glnzten in ihren Augen und das holde jungfruliche Antlitz war mit dem Ausdruck banger Schmerzensgefhle bergossen Da sie den ehrsamen Mann vor sich stehen sah sprach sie Was kmmert Euch mein Schmerz guter Mann da Ihr nicht helfen knnt Ich bin eine Unglckliche eine Mrderin habe den Mann meines Herzens gemordet und will abben meine Schuld mit Jammer und Trnen bis mir der Tod das Herz bricht Der ehrbare Mann staunte Du eine Mrderin rief er bei diesem freundlichen lieben Gesicht trgst du die Hlle im Herzen Unmglich Zwar die Menschen sind aller Rnke und Bosheit fhig das wei ich gleichwohl ist mirs hier ein Rtsel So will ichs Euch lsen erwiderte die trbsinnige Jungfrau wenn Ihr es zu wissen begehrt Er sprach Sag an Ich hatte einen Gespielen von Jugend an den Sohn meiner Nachbarin Er war so lieb und gut so treu und bieder liebte mich so standhaft und herzig da ich ihm ewige Treue gelobte Ach das Herz des braven Menschen habe ich vergiftet hab ihn der Tugendlehren seiner frommen Mutter vergessen gemacht und ihn zu einer beltat verleitet wofr er sein Leben verwirkt hat Der Berggeist rief erstaunt Du Ja Herr sprach sie ich bin seine Mrderin hab ihn gereizt einen Straenraub zu begehen und einen Handelsmann zu plndern da haben ihn die Herren von Hirschberg gegriffen Halsgericht ber ihn gehalten und o Herzeleid morgen wird er abgetan Und was hast du verschuldet fragte verwundert Rbezahl Ja Herr Ich habe sein junges Leben auf meinem Gewissen Wie das Er zog auf die Wanderschaft bers Gebirge und als es zum Abschied ging sprach er Feins Liebchen bleib mir treu Wenn der Apfelbaum zum dritten Male blht und die Schwalbe zum Nest trgt kehr ich von der Wanderschaft zurck dich heimzuholen als mein junges Weib und das gelobte ich ihm zu werden durch einen teuren Eid Nun blhte der Apfelbaum zum dritten Male und die Schwalbe nistete da kam Benedix wieder erinnerte mich meiner Zusage und wollte mich zur Trauung fhren Ich aber neckte und hhnte ihn und sprach Dein Weib kann ich nicht werden du hast weder Herd noch Obdach Schaff dir erst blanke Taler an dann frage wieder Der arme Junge wurde durch diese Rede sehr betrbt Ach Klrchen seufzte er tief mit einer Trne im Auge steht dir dein Sinn nach Geld und Gut so bist du nicht das biedere Mdchen mehr das du vormals warst Schlugst du nicht ein in diese Hand da du mir deine Treue schwurest Und was hatte ich mehr als diese Hand dich einst damit zu ernhren Woher dein Stolz und sprder Sinn Ach Klrchen ich verstehe dich ein reicher Freier hat mir dein Herz entwendet lohnst du mir also Ungetreue Drei Jahre habe ich mit Sehnsucht und Harren traurig verlebt habe jede Stunde gezhlt bis auf diesen Tag da ich kam dich heimzufhren Wie leicht und rasch machte meinem Fu Hoffnung und Freude da ich bers Gebirge wandelte und nun verschmhst du mich Er bat und flehte doch ich blieb fest auf meinem Sinn Mein Herz verschmht dich nicht o Benedix antwortete ich nur meine Hand versag ich dir fr jetzt zieh hin erwirb dir Gut und Geld und hast du das so komm dann will ich dich gern zum Mann nehmen Wohlan sprach er mit Unmut du willst es so ich gehe in die Welt will laufen will rennen will betteln stehlen sparen sorgen und eher sollst du mich nicht wiedersehen bis ich erlange den schnden Preis um den ich dich erwerben mu Leb wohl ich fahre hin Ade So hab ich ihn betrt den armen Benedix er ging ergrimmt davon da verlie ihn sein guter Engel da er tat was nicht recht war und was sein Herz gewi verabscheute Der ehrsame Mann schttelte den Kopf ber diese Rede und rief nach einer Pause mit nachdenklicher Miene Wunderbar Hierauf wendete er sich zu der Dirne Warum fragte er erfllst du aber hier den leeren Wald mit deinen Wehklagen die dir und deinem Brutigam nichts ntzen und frommen knnen Lieber Herr fiel sie ihm ein ich war auf dem Wege nach Hirschberg da wollte mir der Jammer das Herz abdrcken darum weilte ich unter diesem Baume Und was willst du in Hirschberg tun Ich will dem Blutrichter zu Fue fallen will mit meinem Klagegeschrei die Stadt erfllen und die Tchter der Stadt sollen mir wehklagen helfen ob das die Herren erbarmen mchte dem unschuldigen Blut das Leben zu schenken und so mirs nicht gelingt meinen Benedix dem schmhlichen Tode zu entreien will ich freudig mit ihm sterben Rbezahl wurde durch diese Rede so bewegt da er von Stund an seiner Rache ganz verga und der Trostlosen ihren Brutigam wiederzugeben beschlo Trockne ab deine Trnen sprach er mit teilnehmender Gebrde und la deinen Kummer schwinden Ehe die Sonne zur Rste geht soll dein Benedix frank und frei sein Morgen um den ersten Hahnenschrei sei wach und aufmerksam und wenn ein Finger ans Fenster klopft so tu auf die Tr deines Hauses denn es ist dein Benedix der davor stehet Hte dich ihn wieder wild zu machen durch deinen sprden Sinn Du sollst auch wissen da er das Bubenstck nicht begangen hat dessen du ihn zeihest und du hast gleichfalls keine Schuld denn er hat sich durch deinen Eigensinn zu keiner bsen Tat reizen lassen Das Mdchen verwundert ber diese Rede sah ihm starr und steif ins Gesicht und weil darin keine Schalkheit oder Trug sich zeigte gewann sie Zutrauen ihre trbe Stirn klrte sich auf und sie sprach voll froher Zuversicht Lieber Herr wenn Ihr mein nicht spottet und es also ist wie Ihr sagt so mt Ihr ein Seher oder der gute Engel meines Benedix sein da Ihr das alles so wit Sein guter Engel versetzte Rbezahl betroffen nein der bin ich wahrlich nicht aber ich kanns werden und du sollsts erfahren Ich bin ein Brger aus Hirschberg habe mit zu Rate gesessen als der arme Snder verurteilt wurde aber seine Unschuld ist ans Licht gebracht frchte nichts fr sein Leben Ich will hin ihn seiner Bande zu entledigen denn ich vermag viel in der Stadt Sei guten Muts und kehre heim in Frieden Das Mdchen machte sich alsbald auf und gehorchte obgleich Furcht und Hoffnung in ihrer Seele kmpften Der ehrwrdige Pater Graurock hatte sichs die drei Tage des Aufschubs inzwischen blutsauer werden lassen den Verurteilten gehrig zum Tode vorzubereiten Als er dem trostlosen Benedix zum letztem Male gute Nacht gewnscht hatte begegnete ihm Rbezahl unsichtbarerweise beim Eingange noch unentschlossen wie er sein Vorhaben den armen Schneider in Freiheit zu setzen auszufhren vermchte In dem Augenblick geriet er auf den Einfall der recht nach seinem Sinn war Er schlich dem Mnche ins Kloster nach stahl aus der Kleiderkammer ein Ordenskleid fuhr hinein und begab sich in Gestalt des Bruders Graurock ins Gefngnis welches ihm der Kerkermeister ehrerbietig ffnete Das Heil deiner Seele redete er den Gefangenen an treibt mich nochmals hierher da ich dich kaum verlassen habe Doch hatte ich vorher vergessen dich nach etwas zu fragen Sag an denkst du auch noch an Klrchen Liebst du sie noch als deine Braut Hast du ihr etwas vor deiner Hinfahrt zu sagen so vertraue es mir Benedix staunte bei diesem Namen noch mehr der Gedanke an sie den er mit groer Gewissenhaftigkeit in seiner Seele zu ersticken bemht gewesen war wurde auf einmal wieder so heftig angefacht besonders da vom Abschiedsgrue die Rede war da er berlaut anfing zu weinen und zu schluchzen und kein Wort vorzubringen vermochte Diese herzbrechende Gebrdung jammerte den mitleidigen Mnch also da er beschlo dem Spiel ein Ende zu machen Armer Benedix sprach er gib dich zufrieden und sei getrost und unverzagt du sollst nicht sterben Ich habe in Erfahrung gebracht da du unschuldig bist an dem Raube und deine Hand mit keinem Laster befleckt hast darum bin ich gekommen dich aus dem Kerker zu entfhren und der Bande zu entledigen Er zog einen Schlssel aus der Tasche La sehen fuhr er fort ob er schliee Der Versuch gelang der Entfesselte stand da frank und frei die Ketten fielen ab von Hnden und Fen Hierauf wechselte der gutmtige Ordensbruder mit ihm die Kleider und sprach Gehe gemachsam wie ein frommer Mnch durch die Schar der Wchter vor der Tr des Gefngnisses und durch die Straen bis du der Stadt Weichbild hinter dir hast dann schrze dich hurtig und schreite rstig zu da du gelangst ins Gebirge und raste nicht bis du in Liebenau vor Klrchens Tr stehst klopfe leise an dein Liebchen harret deiner mit ngstlichem Verlangen Der gute Benedix whnte das alles sei nur ein Traum rieb sich die Augen zwickte sich in die Arme um zu versuchen ob er wache oder schlafe und da er inne ward da sich alles so verhalte fiel er seinem Befreier zu Fen und umfing seine Knie wollte eine Danksagung stammeln und lag da in stummer Freude denn die Worte versagten ihm Der liebreiche Mnch trieb ihn endlich fort und reichte ihm noch ein Laib Brot und eine Knackwurst zur Zehrung auf den Weg Mit wankendem Knie schritt Benedix ber die Schwelle des traurigen Kerkers und frchtete immer erkannt zu werden Aber sein ehrwrdiges Gewand gab ihm die Gewhr da keiner der Wchter in ihm einen Verbrecher vermutete Klrchen sa indessen bnglich einsam in ihrem Kmmerlein horchte auf jedes Rauschen des Windes und sphete nach jedem Futritt der Vorbergehenden Oft dnkte ihr es rege sich was am Fensterladen oder es klinge der Pfortenring sie schreckte auf mit Herzklopfen sah durch die Luke und es war Tuschung Schon schttelten die Hhne in der Nachbarschaft die Flgel und verkndeten durch ihr Krhen den kommenden Tag das Glcklein im Kloster lutete zur Frhmette das ihr wie Totenruf und Grabesklang tnte der Wchter stie zum letzten Male ins Horn und weckte die schnarchenden Bckermgde zu ihrem frhen Tagewerk Klrchens Lampe fing an dunkel zu brennen weils ihm an l gebrach ihre Unruhe mehrte sich mit jedem Augenblick Sie sa auf ihrer Bettlade weinte bitterlich und seufzte Benedix Benedix Was fr ein banger Tag fr dich und mich dmmert jetzt heran Sie lief ans Fenster ach blutrot war der Himmel nach Hirschberg hin und schwarze Nebelwolken webten wie Trauerflor und Leichentcher hin und wieder am Horizonte Ihre Seele bebte vor diesem ahnungsvollen Anblick zurck sie sank in dumpfes Hinbrten und Totenstille war um sie her Da pochts dreimal leise an das Fenster als ob sich etwas rhrte Ein froher Schauder durchlief ihre Glieder sie sprang auf tat einen lauten Schrei denn eine Stimme flsterte durch die Luke Feins Liebchen bist du wach Husch war sie an der Tr Ach Benedix bist dus oder ists dein Geist Wie sie aber den Bruder Graurock erblickte fiel sie zurck und sank vor Entsetzen hin Da umschlang sie sanft sein treuer Arm und der Ku der Liebe brachte sie bald wieder ins Leben Nachdem Erstaunen und die Ergieungen der ersten freudigen Herzensgefhle vorber waren erzhlte ihr Benedix seine wunderbare Errettung aus dem peinlichen Kerker doch die Zunge klebte ihm am Gaumen vor groem Durst und Ermattung Klrchen ging ihm einen Trunk frisches Wasser zu holen und nachdem er sich damit gelabt hatte fhlte er Hunger aber sie hatte nichts zum Imbi als Salz und Brot Da gedachte Benedix an seine Knackwurst zog sie aus der Tasche und wunderte sich da sie schwerer als ein Hufeisen brach sie voneinander sieh da fielen eitel Goldstcke heraus worber Klrchen nicht wenig erschrak sie meinte das Gold sei ein Rest von dem Raube des Hndlers und Benedix sei nicht so unschuldig als ihn der ehrsame Mann gemacht habe der ihr im Gebirge erschienen war Allein der truglose Geselle beteuerte hchlich da der fromme Ordensmann ihm diesen verborgenen Schatz vermutlich als eine Hochzeitssteuer verliehen habe und sie glaubte seinen Worten Darauf segneten beide mit dankbarem Herzen den edelmtigen Wohltter verlieen ihre Vaterstadt und zogen gen Prag wo Meister Benedix mit Klrchen seinem Weibe lange Jahre als ein ehrsamer Brger und wohlhabender Mann in friedlicher Ehe lebte In der frhen Morgenstunde da Klrchen mit schauervoller Freude den Finger ihres Benedix am Fenster vermerkte klopfte auch in Hirschberg ein Finger an die Tr des Gefngnisses Das war der Bruder Graurock der von frommem Eifer aufgeweckt den Anbruch des Tages kaum erwarten konnte die Bekehrung des armen Snders zu vollenden Rbezahl hatte die Rolle des Verurteilten bernommen und war entschlossen sie auszuspielen Er schien wohlgefat zum Sterben zu sein und der fromme Mnch freute sich darber und erkannte diese Standhaftigkeit alsbald fr die gesegnete Frucht seiner Zusprache an darum ermangelte er nicht ihn in dieser Gemtsverfassung zu erhalten und beschlo seine Rede mit den Trostesworten So viel Menschen du bei deiner Ausfhrung erblicken wirst die dich an die Gerichtssttte geleiten sieh so viel Engel stehen schon bereit deine Seele einzufhren ins schne Paradies Darauf lie er ihn der Fesseln entledigen hrte seine Beichte und sprach ihn los von seinen Snden Die Zeit war darber verlaufen das peinliche Gericht hielt dafr da es nun an der Stunde sei den Leib zu tten Auf dem Platze der Hinrichtung verlas der Richter noch einmal das Urteil und brach zum Zeichen dessen da er dem Tode verfallen sei einen Stab ber dem Kopfe des Verurteilten entzwei Danach fhrten ihn die Henker auf die Leiter am Galgen und legten ihm die Schlinge des Strickes um den Hals Als er nun von der Leiter gestoen wurde zappelte er am Strange nach Herzenslust und trieb das Spiel so arg da dem Henker dabei bel zumute ward denn es erhob sich ein pltzliches Getse im Volk und einige schrien man solle den Henker steinigen weil er den armen Snder ber die Gebhr martere Um also Unglck zu verhten streckte sich Rbezahl lang aus und stellte sich an als sei er tot Da sich aber das Volk verlaufen hatte und nachher einige Leute in der Gegend des Hochgerichts hin und herwandelten aus Vorwitz hinzutraten und den Leichnam beschauen wollten fing Rbezahl am Galgen sein Spiel von neuem an und erschreckte die Beschauer durch frchterliche Grimassen Daher lief gegen Abendzeit in der Stadt das Gercht um der Gehangene knne nicht ersterben und tanze noch immer am Hochgericht Das bewog die Stadtbehrde des Morgens in aller Frhe durch einige Abgeordnete die Sache untersuchen zu lassen Wie sie nun dahin kamen fanden sie nichts als einen Strohmann am Galgen mit alten Lumpen bedeckt wie man pflegt in Erbsen zu stellen die genschigen Spatzen damit zu verscheuchen Darber wunderten sich die Herren von Hirschberg gar sehr lieen in aller Stille den Strohmann abnehmen und breiteten aus der groe Wind habe zur Nachtzeit den leichten Schneider vom Galgen ber die Grenze geweht Rbezahl und der Bauer Veit Einen Bauer in der Amtspflege Reichenberg hatte ein bser Nachbar durch einen Proze um Hab und Gut gebracht und nachdem sich das Gericht seiner letzten Kuh bemchtigt hatte blieb ihm nichts brig als ein abgehrmtes Weib und ein halbes Dutzend Kinder Zwar hatte er noch ein paar rstige gesunde Arme aber sie waren nicht hinreichend sich und die Seinigen damit zu ernhren Es schnitt ihm durchs Herz wenn die jungen Raben nach Brot schrien und er nichts hatte ihren qulenden Hunger zu stillen Mit hundert Talern sprach er zu dem kummervollen Weibe wre uns geholfen unsern zerfallenen Haushalt wieder einzurichten und fern von dem streitschtigen Nachbar ein neues Eigentum zu gewinnen Du hast reiche Vettern jenseits des Gebirges ich will hin und ihnen unsere Not klagen vielleicht da sich einer erbarmet und aus gutem Herzen von seinem berflu uns auf Zinsen leiht so viel wir bedrfen Das niedergedrckte Weib willigte mit schwacher Hoffnung eines glcklichen Erfolges in diesen Vorschlag weil sie keinen besseren wute Der Mann aber grtete frhe seine Lenden und indem er Weib und Kind verlie sprach er ihnen Trost ein Weinet nicht Mein Herz sagt es mir ich werde einen Wohltter finden der uns helfen wird Hierauf steckte er eine harte Brotrinde zur Zehrung in die Tasche und ging davon Mde und matt von der Hitze des Tages und dem weiten Wege gelangte er zur Abendzeit in dem Dorfe an wo die reichen Vettern wohnten aber keiner wollte ihn kennen keiner wollte ihn beherbergen Mit heien Trnen klagte er ihnen sein Elend aber die hartherzigen Filze achteten nicht darauf krnkten den armen Mann mit Vorwrfen und beleidigenden Sprichwrtern Einer sprach Junges Blut spar dein Gut der andere Hoffart kommt vor dem Fall der dritte Wie dus treibst so gehts der vierte Jeder ist seines Glckes Schmied So hhnten und spotteten sie seiner nannten ihn einen Prasser und Faulenzer und endlich stieen sie ihn sogar zur Tr hinaus Einer solchen Aufnahme hatte sich der arme Vetter von der reichen Sippschaft seines Weibes nicht versehen stumm und traurig schlich er von dannen und weil er nichts hatte um das Schlafgeld der Herberge zu bezahlen mute er auf einem Heuschober im Felde bernachten Hier wartete er schlaflos des zgernden Tages um sich auf den Heimweg zu begeben Da er nun wieder ins Gebirge kam berkam ihn Harm und Bekmmernis so sehr da er der Verzweiflung nahe war Zwei Tage Arbeitslohn verloren dachte er bei sich selber matt und entkrftet von Gram und Hunger ohne Trost ohne Hoffnung Wenn du nun heimkehrst und die sechs Wrmer dir entgegenschmachten ihre Hnde aufheben von dir Labsal zu begehren und du fr einen Bissen Brot ihnen einen Stein bieten mut Vaterherz Vaterherz Wie kannst dus tragen Brich entzwei armes Herz ehe du diesen Jammer fhlst Hierauf warf er sich unter einen Schlehenbusch seinen schwermtigen Gedanken weiter nachzuhngen Wie aber am Rande des Verderbens die Seele noch die letzten Krfte anstrengt ein Rettungsmittel auszukundschaften Schutz oder Frist fr den hereinbrechenden Untergang zu suchen gleich einem Bootsmann der sein Schiff sinken sieht schnell die Strickleiter hinaufrennt sich in den Mastkorb zu bergen oder wenn er unter Verdeck ist aus der Luke springt in der Hoffnung ein Brett oder eine ledige Tonne zu erhaschen um sich ber Wasser zu halten so verfiel unter tausend Anschlgen und Einfllen der trostlose Veit auf den Gedanken sich an den Geist des Gebirges in seinem Anliegen zu wenden Er hatte viel abenteuerliche Geschichten von ihm gehrt wie er zuweilen die Reisenden geneckt und gefoppt ihnen manchen Streich und Schabernack gespielt doch auch mitunter Gutes erwiesen habe Es war ihm nicht unbekannt da er sich bei seinem Spottnamen nicht ungestraft rufen lasse dennoch wute er ihm auf keine andere Weise beizukommen also wagte er es auf eine Prgelei und rief so sehr er konnte Rbezahl Rbezahl Auf diesen Ruf erschien alsbald eine Gestalt gleich einem ruigen Khler mit einem fuchsroten Bart der bis an den Grtel reichte feurigen stieren Augen und mit einer Schrstange bewaffnet gleich einem Weberbaum die er mit Grimm erhob den frechen Sptter zu erschlagen Mit Gunst Herr Rbezahl sprach Veit ganz unerschrocken verzeiht wenn ich Euch nicht mit dem rechten Namen bezeichne hrt mich nur an dann tut was Euch gefllt Diese dreiste Rede und die kummervolle Miene des Mannes die weder auf Mutwillen noch Vorwitz deutete besnftigten den Zorn des Geistes etwas Erdenwurm sprach er was treibt dich mich zu beunruhigen Weit du auch da du mir mit Hals und Haut fr deinen Frevel ben mut Herr antwortete Veit die Not treibt mich zu Euch habe eine Bitte die Ihr mir leicht gewhren knnt Ihr sollt mir hundert Taler leihen ich zahle sie Euch mit landesblichen Zinsen in drei Jahren wieder so wahr ich ehrlich bin Tor sprach der Geist bin ich ein Wucherer der auf Zinsen leiht Gehe hin zu deinen Menschenbrdern und borge da so viel dir not tut mich aber la in Ruhe Ach erwiderte Veit mit der Menschenbrderschaft ists aus Auf Mein und Dein gilt keine Brderschaft Hierauf erzhlte er ihm seine Geschichte nach der Lnge und schilderte ihm sein drckendes Elend so rhrend da ihm Rbezahl seine Bitte nicht versagen konnte und wenn der arme Tropf auch weniger Mitleid verdient htte so schien doch dem Geist das Unterfangen von ihm ein Kapital zu leihen so neu und sonderbar da er um des guten Zutrauens willen geneigt war des Mannes Bitte zu gewhren Komm folge mir sprach er und fhrte ihn darauf waldeinwrts in ein abgelegenes Tal zu einem schroffen Felsen dessen Fu ein dichter Busch bedeckte Nachdem sich Veit neben seinem Begleiter mit Mhe durchs Gestruch gearbeitet hatte gelangten sie zum Eingang einer finsteren Hhle Dem guten Veit war nicht wohl dabei zumute da er so im Dunkeln tappen mute es lief ihm ein kalter Schauer nach dem andern den Rcken herab und seine Haare strubten sich empor Rbezahl hat schon manchen betrogen dachte er wer wei was fr ein Abgrund mir vor den Fen liegt in welchen ich beim nchsten Schritt hinabstrze Dabei hrte er ein frchterliches Brausen als eines Tagwassers das sich in den tiefen Schacht ergo Je weiter er fortschritt je mehr engten ihm Furcht und Grausen das Herz ein Doch bald sah er zu seinem Trost in der Ferne ein blaues Flmmchen hpfen das Berggewlbe erweiterte sich zu einem groen Saal das Flmmchen brannte hell und schwebte als ein Hngeleuchter in der Mitte der Felsenhalle Auf dem Pflaster fiel ihm eine kupferne Braupfanne in die Augen mit lauter harten Talern bis an den Rand gefllt Als Veit den Geldschatz erblickte schwand alle seine Furcht dahin und das Herz hpfte ihm vor Freuden Nimm sprach der Geist was du bedarfst es sei wenig oder viel nur stelle mir einen Schuldschein aus wenn du berhaupt schreiben kannst Der Schuldner bejahte das und zhlte sich gewissenhaft die hundert Taler zu nicht einen mehr und keinen weniger Der Geist schien auf das Zhlungsgeschft gar nicht zu achten drehte sich weg und suchte indes Feder und Tinte hervor Veit schrieb den Schuldschein so bndig als ihm mglich war der Berggeist schlo ihn in einen eisernen Schatzkasten und sagte zum Abschied Sieh hin mein Freund und ntze dein Geld mit arbeitsamer Hand Vergi nicht da du mein Schuldner bist und merke dir den Eingang ins Tal und diese Felsenkluft genau Sobald das dritte Jahr verflossen ist zahlst du mir Kapital und Zins zurck ich bin ein strenger Glubiger hltst du nicht ein so fordere ich es mit Ungestm Der ehrliche Veit versprach auf den Tag richtig Zahlung zu leisten versprachs mit seiner biederen Hand doch ohne Schwur verpfndete nicht seine Seele und Seligkeit wie lose Bezahler zu tun pflegen und schied mit dankbarem Herzen von seinem Schuldherrn in der Felsenhhle aus der er leicht den Ausgang fand Die hundert Taler wirkten bei ihm mchtig auf Seele und Leib da ihm nicht anders zumut war als er das Tageslicht wieder erblickte als ob er Balsam des Lebens in der Felsenkluft eingesogen habe Freudig und gestrkt an allen Gliedern schritt er nun seiner Wohnung zu und trat in die elende Htte indem sich der Tag zu neigen begann Sobald ihn die abgezehrten Kinder erblickten schrien sie ihm wie aus einem Munde entgegen Brot Vater einen Bissen Brot Hast uns lange darben lassen Das abgehrmte Weib sa in einem Winkel und weinte frchtete verzagt und kleinmtig das Schlimmste und vermutete da der Angekommene wieder das alte traurige Lied anstimmen werde Er aber bot ihr freundlich die Hand hie sie Feuer anschren auf dem Herde denn er trug Grtze und Hirse aus Reichenberg im Zwerchsack wovon die Hausmutter einen steifen Brei kochen mute da der Lffel darin stand Nachher berichtete er von dem guten Erfolg seines Geschfts Deine Vettern sprach er sind gar rechtliche Leute sie haben mir nicht meine Armut vorgerckt haben mich nicht verkannt oder mich schimpflich vor der Tr abgewiesen sondern mich freundlich beherbergt Herz und Hand mir geffnet und hundert bare Taler vorschuweise auf den Tisch gezhlt Da fiel dem guten Weibe ein schwerer Stein vom Herzen der sie lange gedrckt hatte Wren wir sagte sie eher vor die rechte Schmiede gegangen so htten wir uns manchen Kummer ersparen knnen Hierauf rhmte sie ihre Freundschaft von welcher sie vorher so wenig Gutes erwartet hatte und tat recht stolz auf die reichen Vettern Der Mann lie ihr nach so vielen Drangsalen gern die Freude die ihrer Eitelkeit so schmeichelhaft war Da sie aber nicht aufhrte von den reichen Vettern zu sprechen und das viele Tage so forttrieb wurde Veit des Lobposaunens der Geizdrachen satt und mde und sprach zum Weibe Als ich vor der rechten Schmiede war weit du was mir der Meister Schmied fr eine weise Lehre gab Sie sprach Welche Jeder sagte er sei seines Glckes Schmied und man msse das Eisen schmieden so lange es hei sei drum la uns nun die Hnde rhren und unserm Beruf fleiig obliegen da wir was vor uns bringen in drei Jahren den Vorschu nebst Zinsen abzahlen knnen und aller Schuld quitt und ledig seien Darauf kaufte er einen Acker und eine Wiese dann wieder einen und noch einen dann eine ganze Hufe es war Segen in Rbezahls Gelde als wenn ein Hecktaler darunter wre Veit sete und erntete wurde schon fr einen wohlhabenden Mann im Dorfe gehalten und sein Sckel besa noch immer ein kleines Kapital zur Erweiterung seines Eigentums Im dritten Sommer hatte er schon zu seiner Hufe ein Herrengut gepachtet das ihm reichen Ertrag brachte kurz er war ein Mann dem alles was er tat zu gutem Glck gedieh Der Zahlungstag kam nun heran und Veit hatte so viel erbrigt da er ohne Beschwerde seine Schuld abtragen konnte er legte das Geld zurecht und an dem bestimmten Tage war er frh auf weckte das Weib und alle seine Kinder hie sie waschen und kmmen und ihre Sonntagskleider anziehen auch die neuen Schuhe und die scharlachenen Mieder und Brusttcher die sie noch nicht auf den Leib gebracht hatten Er selbst holte seinen Feiertagsrock herbei und rief zum Fenster hinaus Hans spann an Mann was hast du vor fragte die Frau es ist heute weder Feiertag noch Kirchweihfest was macht dich so guten Mutes da du uns ein Wohlleben bereitet hast und wo gedenkst du uns hinzufhren Er antwortete Ich will mit euch die reichen Vettern jenseits des Gebirges heimsuchen und dem Glubiger der mir durch seinen Vorschub wieder aufgeholfen hat Schuld und Zins bezahlen denn heute ist der Zahltag Das gefiel der Frau wohl sie putzte sich und die Kinder stattlich heraus und damit die reichen Vettern eine gute Meinung von ihrem Wohlstande bekmen und sich ihrer nicht schmen drften band sie eine Schnur gekrmmter Dukaten um den Hals Veit rttelte den schweren Geldsack zusammen nahm ihn zu sich und da alles in Bereitschaft war sa er auf mit Frau und Kind Hans peitschte die vier Hengste an und sie trabten mutig ber das Blachfeld nach dem Riesengebirge zu Vor einem steilen Hohlwege lie Veit den Rollwagen halten stieg ab und lie die anderen ein Gleiches tun dann gebot er dem Knechte Hans fahr gemachsam den Berg hinan oben bei den drei Linden sollst du unser warten und obs auch ein wenig lange dauert so la dichs nicht anfechten la die Pferde verschnaufen und einstweilen grasen ich wei hier einen Fupfad er ist etwas um doch lustig zu wandeln Darauf schlug er sich in Geleitschaft des Weibes und der Kinder waldein durch dicht verwachsenes Gebsch und sphte hin und her die Frau meinte ihr Mann habe sich verirrt sie ermahnte ihn darum zurckzukehren und der Landstrae zu folgen Veit aber hielt pltzlich still versammelte seine sechs Kinder um sich her und redete also Du whnst liebes Weib da wir zu deiner Freundschaft ziehen dahin steht jetzt nicht mein Sinn Deine reichen Vettern sind Knauser und Schurken die als ich damals in meiner Armut Trost und Zuflucht bei ihnen suchte mich gefoppt gehhnet und mit bermut von sich gestoen haben Hier wohnt der reiche Vetter dem wir unsern Wohlstand verdanken der mir aufs Wort das Geld geliehen das in den drei Jahren in meiner Hand so wohl gewuchert hat Auf heute hat er mich herbeschieden Zins und Kapital ihm wieder zu erstatten Wit ihr nun wer unser Schuldherr ist Der Herr vom Berge Rbezahl genannt Das Weib entsetzte sich heftig ber diese Rede schlug ein Kreuz vor sich und die Kinder bebten und gebrdeten sich ngstlich vor Furcht und Schrecken da sie der Vater vor Rbezahl fhren wollte Sie hatten viel in den Spinnstuben von ihm gehrt da er ein scheulicher Riese und Menschenfresser sei Veit erzhlte ihnen sein ganzes Abenteuer wie ihm der Berggeist in Gestalt eines Khlers auf sein Rufen erschienen sei und was er mit ihm verhandelt in der Hhle habe pries seine Mildttigkeit mit dankbarem Herzen und so inniger Rhrung da ihm die warmen Trnen ber die Backen herabtrufelten Wartet hier fuhr er fort jetzt geh ich hin in die Hhle mein Geschft auszurichten Frchtet nichts ich werde nicht lange ausbleiben und wenn ichs vom Gebirgsherrn erlangen kann so bring ich ihn zu euch Scheuet euch nicht eurem Wohltter treuherzig die Hand zu schtteln ob sie gleich schwarz und ruig ist er tut euch nichts zuleide und freut sich seiner guten Tat und unsers Danks gewi Seid nur beherzt er wird euch goldene pfel und Pfeffernsse austeilen Ob nun gleich das bngliche Weib viel gegen die Wallfahrt in die Felsenhhle einzuwenden hatte und auch die Kinder jammerten und weinten sich um den Vater herlagerten und da er sie auf die Seite schob ihn an den Rockfalten zurckzuziehen sich abmhten so ri er sich doch mit Gewalt von ihnen drang in den dicht verwachsenen Busch und gelangte zu dem wohlbekannten Felsen Er fand alle Merkzeichen der Gegend wieder die er sich wohl ins Gedchtnis geprgt hatte die alte halberstorbene Eiche an deren Wurzel die Kluft sich ffnete stand noch wie sie vor drei Jahren gestanden hatte doch von einer Hhle war keine Spur mehr vorhanden Veit versuchte auf alle Weise sich den Eingang in den Berg zu erffnen er nahm einen Stein klopfte an den Felsen er sollte meinte er sich auftun er zog den schweren Geldsack hervor klingelte mit den harten Talern und rief so laut er nur konnte Geist des Gebirges nimm hin was dein ist Doch der Geist lie sich weder hren noch sehen Also mute sich der ehrliche Schuldner entschlieen mit seinem Sckel wieder umzukehren Sobald ihn das Weib und die Kinder von ferne erblickten eilten sie ihm freudevoll entgegen er war mimutig und sehr bekmmert da er seine Zahlung nicht an seinen Glubiger abliefern konnte setzte sich zu den Seinen auf einen Rasenrain und berlegte was nun zu tun sei Da fiel ihm sein altes Wagestck wieder ein Ich will sprach er den Geist bei seinem Spottnamen rufen wenns ihn auch verdriet mag er mich bluen und zupfen wie er Lust hat wenigstens hrt er auf diesen Ruf gewi Darauf schrie er aus Leibeskrften Rbezahl Rbezahl Das angstvolle Weib bat ihn zu schweigen und wollte ihm den Mund zuhalten er lie sich aber nicht wehren und triebs immer rger Pltzlich drngte sich jetzt der jngste Bube an die Mutter an und schrie bnglich Ach der schwarze Mann Getrost fragte Veit Wo Dort lauscht er hinter jenem Baume hervor Und alle Kinder krochen in einen Haufen zusammen bebten vor Furcht und schrien jmmerlich Der Vater blickte hin und sah nichts es war Tuschung nur ein leerer Schatten kurz Rbezahl kam nicht zum Vorschein und alles Rufen war umsonst Die Familie trat nun den Rckweg an und Vater Veit ging ganz betrbt und schwermtig auf der breiten Landstrae vor sich hin Da erhob sich vom Walde her ein sanftes Rauschen in den Bumen die schlanken Birken neigten ihre Wipfel das bewegliche Laub der Espen zitterte das Brausen kam nher und der Wind schttelte die weitausgestreckten ste der Steineichen trieb drres Laub und Grashalme vor sich her kruselte im Weg kleine Staubwolken empor An diesem lustigen Spiel vergngten sich die Kinder die nicht mehr an Rbezahl dachten und haschten nach den Blttern mit welchen der Wirbelwind spielte Unter dem drren Laube wurde auch ein Blatt Papier ber den Weg geweht auf welches einer der Knaben Jagd machte doch wenn er danach griff hob es der Wind auf und fhrte es weiter da ers nicht erlangen konnte Darum warf er seinen Hut danach ders endlich bedeckte weils nun ein schner weier Bogen war und der sparsame Vater jede Kleinigkeit in seinem Haushalte zu nutzen pflegte so brachte ihm der Knabe den Fund um sich ein kleines Lob zu verdienen Als dieser das zusammengerollte Papier aufschlug um zu sehen was es wre fand er da es der Schuldbrief war den er an den Berggeist ausgestellt hatte er war von oben herein zerrissen und unten stand geschrieben Zu Dank bezahlt Wie das Veit las rhrte es ihn tief in der Seele und er rief mit freudigem Entzcken Freue dich liebes Weib und ihr Kinder allesamt freuet euch er hat uns gesehen hat unsern Dank gehrt unser guter Wohltter der uns unsichtbar umschwebte wei da Veit ein ehrlicher Mann ist Ich bin meiner Zusage quitt und ledig nun lat uns mit frohem Herzen heimkehren Eltern und Kinder weinten noch viele Trnen der Freude und des Dankes bis sie wieder zu ihrem Fuhrwerk gelangten und weil die Frau gro Verlangen trug ihre Freundschaft heimzusuchen um durch ihren Wohlstand die filzigen Vettern zu beschmen so rollten sie frisch den Berg hinab gelangten in der Abendstunde in das Dorf und hielten bei dem nmlichen Bauernhofe an aus welchem Veit vor drei Jahren hinausgestoen worden war Er pochte diesmal ganz herzhaft und fragte nach dem Wirte Es kam ein unbekannter Mann zum Vorschein der gar nicht zur Freundschaft gehrte von diesem erfuhr Veit da die reichen Vettern ausgewirtschaftet hatten Der eine war gestorben der andere verdorben der dritte davongegangen und ihre Sttte ward nicht mehr gefunden in der Gemeinde Veit bernachtete mit seiner Familie bei dem gastfreien Hauswirt der ihm und seinem Weibe das alles weitlufiger erzhlte Tags darauf kehrte er in seine Heimat und an seine Berufsgeschfte zurck nahm zu an Reichtum und Gtern und blieb ein rechtlicher wohlhabender Mann sein lebelang Der kleine Peter In dem Dorfe Krumhbel welches im Riesengebirge unweit der Schneekoppe liegt wohnte ein armer Holzhacker Er nhrte sich und seine Familie bestehend in seiner Frau und seinem kleinen Knaben Peter nur kmmerlich Da starb ihm eines Tages seine Frau Da er beim Holzhacken im Walde sein Brot verdienen mute so htte er sich der Erziehung und Pflege seines Knaben nicht widmen knnen wenn nicht eine Anverwandte von ihm die Muhme aus Fischbach sich bereit erklrt htte ihm die Wirtschaft zu fhren und den Knaben in Aufsicht zu nehmen Peter war ein kleiner aufgeweckter allezeit frhlicher Bursche der immer vergngt sein Liedchen trllerte und wohlgemut auf und absprang Die Muhme aber war durch mancherlei schwere Lebenserfahrungen verbittert sah mrrisch und scheel auf das aufgeweckte Treiben des Knaben herab und setzte ihm so oft sie ihn erblickte mit Zanken Keifen und harten Worten zu Sie schwrzte Peter auch bei dem Vater an wenn er am Abend aus dem Walde zurckkam und dann tanzte der Haselstock oft auf Peterchens Rcken und die Beteuerungen der Unschuld halfen dem armen kleinen Schelm nichts Die Folge davon war da Peter den Tag ber mglichst das Haus floh und am liebsten auf dem Felde drauen sich aufhielt wo er im Sommer die bunten Blumen im Getreide pflckte oder dem Gesange der Vgel lauschte Wie lieblich klang das in seinen Ohren ganz anders als das mrrische Geznk der Alten im engen Hause Im Winter freilich mute er im Stbchen bleiben dann gings ihm schlecht Dann war seine einzige Freude hinaus vor die Haustr zu treten und den zirpenden Sperlingen und Meisen Krumen von seinem Stck trockenen Schwarzbrotes zu streuen Denn Peter hatte ein mildes Herz er erbarmte sich wie alle Kinder im Winter tun sollten der frierenden hungernden Vgel und obwohl er sich selbst etwas von seinem Frhstck entzog hatte er doch seine helle Freude an den gefiederten Gsten wenn sie ehe er vor die Tr trat ihn ungeduldig lockten als ob sie sein Kommen erwarteten Eines Abends kndete der Vater der Muhme an da am nchsten Sonntage ein Bruder von ihm zum Besuch kommen werde Die Muhme kaufte am nchsten Tage einen groen Hecht und setzte ihn einstweilen in einem kleinen Fischkasten in das Wasser damit er nicht strbe ehe sie ihn schlachtete Du armes Tier sagte Peter als er an dem Kasten vorberkam in diesem kleinen Raume sollst du leben und atmen du wirst sterben wenn dir die Freiheit nicht bald wiedergegeben wird Von diesem Gedanken geleitet entnahm er dem Kasten den zappelnden Fisch und warf ihn in den Dorfbach Als nun tags darauf die Alte den Hecht schlachten wollte da war er lngst von dannen geschwommen Da sauste denn eine tchtige Tracht Prgel auf Peter hernieder und seine Freude ber seine gute Tat sollte ihm bald grndlich vergllt werden Habe ich dich denn du nichtsnutziger Bursche wieder einmal bei einem Schabernack abgefat nun warte nur du Taugenichts bis der Vater nach Hause kommt der soll dir den verlorenen Hecht mit dem Stocke wieder suchen helfen Da gabs am Abend wieder hageldicke Hiebe und mit Weinen und Schluchzen mute Peter sein Lager aufsuchen Als der Knabe am andern Morgen hinaus zum Spiel in den Wald gehen wollte rief ihm die Muhme kreischend nach Du Faulenzer brauchst drauen nicht umherzugaffen und dir die Sonne in den Mund scheinen zu lassen Flugs nimm den Sack hier gehe hinaus auf die Getreidefelder und lies hren Wage dich aber nicht eher nach Hause als bis du den Sack damit gefllt hast Niedergeschlagen ging der Knabe auf das erste Kornfeld und suchte fleiig hren auf aber der Boden des Sackes war nach zwei Stunden kaum bedeckt Die fleiigen Ortsbewohner hatten auf dem Feld bereits Nachlese gehalten und nur wenige Halme liegen gelassen Auch auf den andern Feldern hatte er denselben Erfolg und am Abend war der Sack noch nicht bis zur Hlfte gefllt Die Sonne ging unter Da traten dem kleinen Peter die Trnen in die Augen und er wute keinen Ausweg in seiner Not Warum weinst du mein Sohn lie sich pltzlich eine Stimme vernehmen und ein alter Jgersmann stand an seiner Seite Peter erzhlte unter Trnen treuherzig sein Leid wie die bse Muhme ihn tagtglich peinige und ihm das Leben sauer mache Dann mte sie eine tchtige Strafe erhalten denn es ist grausam dir solche Auftrge zu erteilen deren Ausfhrung unmglich ist Nein entgegnete der Knabe ich mchte nur da die Muhme einmal frhlich wrde den ganzen Tag lachte und vor Freude in die Luft sprnge Dann soll dir und ihr geholfen werden mein Sohn war die Antwort des Jgers Er zog darauf ein kleines Pfeifchen hervor und pfiff so laut da es in den Ohren gellte Im Nu rauschte ein groer Schwarm Sperlinge hernieder Sie lasen die Halme mit ihren Schnbeln auf trugen sie auf ein Hufchen zusammen und der Jger wies darauf hin und sagte Hier mein Sohn flle den Sack damit an Peter gehorchte voller Freude und der Jger legte hierauf den vollen Sack auf seine Schulter doch er war so leicht als wenn gar nichts darin wre Als er sich umwandte seinem Wohltter zu danken war dieser verschwunden die Sperlinge aber begleiteten ihn bis ins Dorf und an ihrem Zwitschern erkannte er da es seine Freunde vom Winter her waren Die Muhme empfing ihn wieder mit mrrischem Gesicht aber als sie ihm keine Vorwrfe machte meinte Peter er habe sie vershnt Seine Annahme aber war ein Irrtum Kaum graute der Morgen so erschien die Alte vor seinem Bett und rief laut Stehe fix auf und fang ein Gericht Fische im Teiche da ich sie deinem Vater der krank geworden ist kochen kann Kommst du mit leeren Hnden zurck so kann ich ihm nichts zu essen geben und die Krankheit verschlimmert sich Peter nahm sein kleines Fischnetz und ging hinaus zum Teiche Die Krankheit des Vaters hatte ihn traurig gestimmt und er nahm sich vor fleiig zu fischen um dem kranken Vater ein Gericht zu seiner Strkung zu verschaffen Aber Stunde um Stunde verging der Mittag kam und das Netz blieb leer Vor Angst weinend schaute er nach dem alten Jger aus und richtig da stand er wieder am Bachesrand der alte freundliche Mann Schon wieder Kummer Peterchen und Trnen im Auge scheinst nahe ans Wasser gebaut zu haben oder hat dir die hartherzige Muhme wieder einen Auftrag gegeben der dir mifllt begann der Jger So ists entgegnete der Knabe dies Netz voll Fische nach Hause zu bringen ist diesmal ihr Begehr Da pfiff der Jger wieder auf seinem Pfeifchen Da kam ein groer Hecht herangeschwommen und trieb eine Menge kleiner Fische vor sich her die schlpften alle in das Netz und Peter mute es mehrmals ausleeren Helle Freude ging ber sein Gesicht und mit inniger Freude dankte er seinem Wohltter Kennst du aber dort den groen Fisch nicht mehr Es ist derselbe den du aus dem Fischkasten genommen und in den Bach getragen hast Verwundert schaute Peter dem Fische so lange als mglich nach der jetzt langsam im Teiche hinschwamm Wieder war der rtselhafte Jgersmann verschwunden und Peter lief glcklich und hocherfreut nach Hause von dem Fange konnte sich der Vater viele Tage lang satt essen Als der Knabe die Auftrge der Muhme pnktlich ausgefhrt hatte beschlich sie tdlicher Ha auf den Knaben und schon am andern Morgen hatte sie eine neue Bosheit ersonnen Sie wollte den Knaben gar zu gern los sein Darum herrschte sie ihn an Flugs eile dich deines Vaters Krankheit ist ernster geworden hier kann nur noch eine Pflanze das Wurzelmnnchen genannt helfen Aber es wchst nur auf jenem Teil des Gebirges wo der Herr des Gebirges Rbezahl haust Ruf ihn und wenn er erscheint so bitte ihn um das Wurzelmnnchen fr deinen kranken Vater Bleib aber so lange im Gebirge und ruf ihn bis er deine Bitte gewhrt Dabei dachte sie in ihrem arglistigen Herzen Nun bin ich den verwnschten Jungen los denn Rbezahl wird ihm den Hals umdrehen wenn er ihn bei seinem Spottnamen ruft Peter ergriff seinen Stab pfiff sich ein lustiges Liedlein und trabte wohlgemut dem Gebirge zu Wohl hatte er von seinen Schulkameraden allerlei Schauergeschichten von Herrn Johannes wie sich Rbezahl selbst bezeichnete gehrt doch trstete er sich mit der berzeugung da auch der Berggeist ihn nicht mehr Leides antun knne als die bse Muhme daheim Eben wollte er auf einer Anhhe des Gebirges angekommen seinen Mund zu einem krftigen Rbezahl Rbezahl ffnen als eine Stimme hinter ihm rief Nun mein Peterchen willst wohl verreisen Oder hat dir die Muhme den Laufpa gegeben willst du den alten kranken Vater verlassen Nein antwortete der Knabe dem freundlichen Jger denn dieser war es denkt Euch ich soll Rbezahl aufsuchen und von ihm ein Wurzelmnnchen holen davon wird der Vater gesund werden sagt die Muhme Aber frchtest du dich nicht vor dem mchtigen Berggeist Bewahre wie wird er wohl Der straft Leute die ihn verhhnen ich aber komme da er meinem kranken Vater helfen soll Und wenn dabei ein paar Pffe und Schlge abfallen so sind sie mir nichts Neues denn sie sitzen in der Hand der Muhme immer gewaltig locker Belustigt entgegnete der fremde Jgersmann Du bist ein Prachtkerl kleiner Peter aber vielleicht wird dir dein Rufen nichts helfen der Berggeist ist zuweilen verreist Wir Forstleute bringen unsere Zeit meist im Walde zu und kennen alle Kruter und Wurzeln und sind wohlvertraut mit ihren heilenden Wirkungen Hier hast du ein Wurzelmnnchen hnge es deinem Vater um den Hals so wird er gesund werden Der Fremde verschwand vor Peters Augen Dieser aber eilte das Wurzelmnnchen fest in der Hand haltend in seine vterliche Behausung Die Muhme kam ihm schon in der Tr entgegen mit einem gar grimmigen Gesicht und murmelte Unkraut vergeht nicht Da hielt ihr Peter den Wurzelmann grade vor die Nase Es war ein wunderliches Geschpf mit dickem boshaft grinsendem Kopf und einem daran hngenden langen Zopf dessen Lnge diejenige des ganzen Mnnchens bei weitem bertraf In demselben Augenblick als der Knabe der Alten den Wurzelmann zeigt ging mit dieser eine wunderbare Wandlung vor sie lachte und sprang hoch in die Luft vor ausgelassener Freude den ganzen Tag ber so da sie am Abend mde und zerschlagen war von allem Toben und Tanzen Aus Angst da sich diese Vorgnge wiederholen wrden schnrte sie ihr Bndel und verschwand aus dem Dorfe Da fiel es dem kleinen Peter wieder ein wie er gegen den Jgersmann als er ihm das erstemal begegnete geuert hatte er wnsche da die Muhme einen ganzen Tag lachen und springen msse und nun kam ihm die Erkenntnis da Rbezahl selbst ihm unter jener Gestalt erschienen sei und dieser ihm die hren die Fische und das Wurzelmnnchen geschenkt habe Peter hatte nun gute Tage denn der Vater wurde wieder gesund Er ging mit ihm fleiig auf die Arbeit und half ihm mit Rat und Tat so da sie bald rstig vorwrts kamen und der Vater viel Freude an seinem Sohn erlebte Die Muhme aber soll vor Neid und Migunst gestorben sein Glaser Steffen und sein Weib Ilse So sehr sichs auch der Bauer Veit dessen Erlebnis wir frher behandelten hatte angelegen sein lassen den wahren Ursprung seines Glckes zu verhehlen um nicht ungestme Bittsteller anzureizen den Berggeist um hnliche Spenden mit dreister Zudringlichkeit zu berlaufen so wurde die Sache doch endlich ruchbar denn wenn das Geheimnis des Mannes der Frau zwischen den Lippen schwebt weht es das kleinste Lftchen fort wie eine Seifenblase vom Strohhalm Veits Frau vertrauts einer verschwiegenen Nachbarin diese ihrer Gevatterin diese ihrem Herrn Paten dem Dorfbarbier dieser allen seinen Bartkunden so kams im Dorfe und hernach im ganzen Kirchspiele herum Da spitzten die verdorbenen Hauswirte die Lungerer und Miggnger das Ohr zogen scharenweise ins Gebirge reizten den Berggeist durch Zurufe und beschworen ihn zu erscheinen Zu ihnen gesellten sich Schatzgrber und Landstreicher die das Gebirge durchkreuzten allenthalben in die Erde gruben und den Schatz in der Braupfanne zu heben vermeinten Rbezahl lie sie eine Zeitlang ihr Wesen treiben wie sie Lust hatten achtete es der Mhe nicht wert sich ber die Kerle zu erzrnen trieb nur seinen Spott mit ihnen lie zur Nachtzeit da und dort ein blaues Flmmchen auflodern und wenn die Laurer kamen ihre Hte und Mtzen darauf warfen lie er sie manchen schweren Geldtopf ausgraben den sie mit Freude heimtrugen neun Tage lang stillschweigend verwahrten und wenn sie nun hinkamen den Schatz zu besehen fanden sie Unrat im Topf oder Scherben und Steine Gleichwohl ermdeten sie nicht das alte Spiel wieder anzufangen und neuen Unfug zu treiben Darber wurde der Geist endlich unwillig stupte das lose Gesindel durch einen krftigen Steinhagel aus seinem Gebiete hinaus und wurde gegen alle Wanderer so barsch und rgerlich da keiner ohne Furcht das Gebirge betrat auch selten ohne Staupe entrann und der Name Rbezahl wurde nicht mehr gehrt im Gebirge seit Menschengedenken Eines Tages sonnte sich der Berggeist an der Hecke seines Gartens da kam ein Weib ihres Weges daher in groer Unbefangenheit die durch ihren sonderbaren Aufzug seine Aufmerksamkeit auf sich zog Sie hatte ein Kind an der Brust liegen eines trug sie auf dem Rcken eines leitete sie an der Hand und ein etwas grerer Knabe trug einen leeren Korb nebst einem Rechen denn sie wollte eine Last Laub frs Vieh laden Eine Mutter dachte Rbezahl ist doch wahrlich ein gutes Geschpf schleppt sich mit vier Kindern wartet dabei ihres Berufs ohne Murren und wird sich noch mit der Brde des Korbes belasten mssen Diese Betrachtung versetzte ihn in eine gutmtige Stimmung die ihn geneigt machte sich mit der Frau in Unterredung einzulassen Sie setzte ihre Kinder auf den Rasen und streifte Laub von den Bschen indes wurde den Kleinen die Zeit lang und sie fingen an heftig zu schreien Alsbald verlie die Mutter ihre Geschfte spielte und tndelte mit den Kindern nahm sie auf hpfte mit ihnen singend und scherzend herum wiegte sie in Schlaf und ging wieder an ihre Arbeit Bald darauf stachen die Mcken die kleinen Schlfer sie fingen ihre Schreierei von neuem an die Mutter wurde darber nicht ungeduldig sie lief ins Holz pflckte Erdbeeren und Himbeeren und legte das kleinste Kind an die Brust Diese mtterliche Behandlung gefiel Rbezahl ungemein wohl Allein der Schreier der vorher auf der Mutter Rcken ritt wollte sich durch nichts beruhigen lassen er war ein strrischer eigensinniger Junge der die Erdbeeren die ihm die liebreiche Mutter darreichte von sich warf und dazu schrie als wenn er am Spie stke Darber ri ihr doch endlich die Geduld Rbezahl rief sie komm und fri mir den Schreier Sofort stand der Berggeist in der Gestalt eines Khlers vor dem Weibe und sprach Hier bin ich was ist dein Begehr Die Frau geriet ber diese Erscheinung in groen Schrecken da sie aber ein frisches herzhaftes Weib war sammelte sie sich bald und fate Mut Ich rief dich nur sprach die Mutter Ilse meine Kinder schweigsam zu machen nun sie ruhig sind bedarf ich deiner nicht sei bedankt fr deinen guten Willen Weit du auch entgegnete der Geist da man mich hier nicht ungestraft ruft Ich halte dich beim Worte gib mir deinen Schreier da ich ihn fresse so ein leckerer Bissen ist mir lange nicht vorgekommen Darauf streckte er die ruige Hand aus den Knaben in Empfang zu nehmen Wie eine Gluckhenne wenn der Hhnerhabicht hoch ber dem Dache in den Lften schwebt oder der schkerhafte Spitz auf dem Hofe hetzt mit ngstlichem Glucksen vorerst ihre Kchlein in den sichern Hhnerkorb lockt dann ihr Gefieder emporstrubt die Flgel ausbreitet und mit dem strkeren Feinde einen ungleichen Kampf beginnt so fiel das Weib dem schwarzen Khler wtig in den Bart ballte die krftige Faust und rief Ungetm das Mutterherz mut du mir erst aus dem Leibe reien eh du mir mein Kind raubst Eines so mutvollen Angriffs hatte sich Rbezahl nicht versehen er wich gleichsam schchtern zurck dergleichen handfeste Erfahrung in der Menschenkunde war ihm noch nie vorgekommen Er lchelte das Weib freundlich an Entrste dich nicht Ich bin kein Menschenfresser wie du whntest will dir und deinen Kindern auch kein Leides tun aber la mir den Knaben der Schreier gefllt mir ich will ihn halten wie einen Junker will ihn in Samt und Seide kleiden und einen wackern Kerl aus ihm ziehen der Vater und Brder einst nhren soll Fordere hundert SchreckenbergerA ich zahle sie dir Funote A Eine alte schsische Silbermnze nach heutigem Gelde etwa Pfennige im Werte Ha lachte das rasche Weib gefllt Euch der Junge Ja das ist ein Junge wien Daus der wre mir nicht um aller Welt Schtze feil Trin versetzte Rbezahl hast du nicht noch drei Kinder die dir Last und berdru machen Mut sie kmmerlich nhren und dich mit ihnen plagen Tag und Nacht Wohl wahr aber dafr bin ich Mutter und mu tun was meines Berufes ist Kinder machen berlast aber auch manche Freude Schne Freude sich mit den Blgen tagtglich zu schleppen sie zu gngeln zu subern ihre Unart und ihr Geschrei zu ertragen Wahrlich Herr Ihr kennt die Mutterfreuden wenig Alle Arbeit und Mhe verst ein einziger freundlicher Anblick das holde Lcheln und Lallen der kleinen unschuldigen Wrmer Seht mir nur den Goldjungen da wie er an mir hngt der kleine Schmeichler Nun ist ers nicht gewesen der geschrien hat Ach htte ich doch hundert Hnde die euch heben und tragen und fr euch arbeiten knnten ihr lieben Kleinen So Hat denn dein Mann keine Hnde die arbeiten knnen O ja die hat er Er rhrt sie auch und ich fhls zuweilen Wie Dein Mann erkhnt sich die Hand gegen dich aufzuheben Gegen solch ein Weib Das Genick will ich ihm brechen dem Mrder Da httet Ihr traun viel Hlse zu brechen wenn alle Mnner mit dem Halse ben sollten die sich an der Frau vergreifen Die Mnner sind eine schlimme Nation drum heits Ehstand Wehstand mu mich drein ergeben warum hab ich gefreit Nun ja wenn du wutest da die Mnner eine schlimme Nation sind so wars auch ein dummer Streich da du freitest Mglich Aber Steffen war ein flinker Kerl der guten Erwerb hatte und ich eine arme Dirne ohne Heiratsgut Da kam er zu mir begehrte mich zur Eh gab mir einen Wildemannstaler auf den Kauf und der Handel war gemacht Nachher hat er mir den Taler wieder abgenommen aber den wilden Mann hab ich noch Der Geist lchelte Vielleicht hast du ihn wild gemacht durch deinen Starrsinn Oh den hat er mir schon ausgetrieben Aber Steffen ist ein Knauser wenn ich ihm einen Groschen abfordere so rasaunt er im Hause rger als Ihr zu Zeiten im Gebirge wirft mir meine Armut vor und da mu ich schweigen Wenn ich ihm eine Aussteuer zugebracht htte wollt ich ihm schon den Daumen aufs Auge halten Was treibt dein Mann fr ein Gewerbe Er ist Glashndler mu sich seinen Erwerb auch lassen sauer werden schleppt da der arme Tropf die schwere Brde aus Bhmen herber jahraus jahrein wenn ihm nun unterwegs ein Glas zerbricht mu ichs und die armen Kinder freilich entgelten aber ich ertrags Du kannst den Mann noch lieben der dir so bel mitspielt Warum nicht lieben Ist er nicht der Vater meiner Kinder Die werden alles gut machen und uns wohl lohnen wenn sie gro sind Leidiger Trost Die Kinder danken auch der Eltern Mh und Sorgen Die Jungen werden dir noch den letzten Heller auspressen wenn sie der Kaiser zum Heere schickt ins ferne Ungarland da die Trken sie erschlagen Ei nun das kmmert mich auch nicht werden sie erschlagen so sterben sie fr den Kaiser und frs Vaterland in ihrem Beruf knnen aber auch Beute machen und die armen Eltern pflegen Hierauf erneuerte der Geist den Knabenhandel nochmals doch das Weib wrdigte ihn keiner Antwort raffte das Laub in den Korb band oben drauf den kleinen Schreier mit der Leibschnur fest und Rbezahl wandte sich als wollte er weitergehen Weil aber die Brde zu schwer war da das Weib nicht aufkommen konnte rief sie ihn zurck Ich hab Euch einmal gerufen sprach sie helft mir nun auch auf und wenn Ihr ein briges tun wollt so schenkt dem Knaben der Euch gefallen hat ein GutfreitagsgrschelA zu einem Paar Semmeln morgen kommt der Vater heim der wird uns Weibrot aus Bhmen mitbringen Der Geist antwortete Aufhelfen will ich dir wohl aber gibst du mir den Knaben nicht so soll er auch keine Spende haben Auch gut versetzte die Frau und ging ihres Weges Funote A Eine schlesische Mnze einen Dreier an Wert welche ehedem die Frsten von Liegnitz prgen und auf den Karfreitag an die Armen zum Almosen verteilen lieen Je weiter sie ging je schwerer wurde der Korb da sie unter der Last schier erlag und alle zehn Schritte verschnaufen mute Das schien ihr nicht mit rechten Dingen zuzugehen sie whnte Rbezahl habe ihr einen Possen gespielt und eine Last Steine unter das Laub geschmuggelt darum setzte sie den Korb ab auf dem nchsten Rande und strzte ihn um Doch es fielen eitel Laubbltter heraus und keine Steine Also fllte sie ihn wieder zur Hlfte und raffte noch so viel Laub in die Schrze als sie darein fassen konnte aber bald war ihr die Last von neuem zu schwer und sie mute nochmals ausleeren welches die rstige Frau gro wunder nahm denn sie hatte gar oft hochgeschichtete Graslasten heimgetragen und solche Mattigkeit noch nie gefhlt Demungeachtet beschickte sie bei ihrer Heimkunft den Haushalt warf den Ziegen und den jungen Zicklein das Laub vor gab den Kindern das Abendbrot brachte sie in Schlaf betete ihren Abendsegen und schlief flugs und frhlich ein Die frhe Morgenrte und der wache Sugling der mit lauter Stimme sein Frhstck verlangte weckten das geschftige Weib zu ihrem Tagewerk aus dem gesunden Schlaf Sie ging zuerst mit dem Melkeimer ihrer Gewohnheit nach zum Ziegenstalle Welch schreckensvoller Anblick Das gute nahrhafte Haustier die alte Ziege lag da hart und steif hatte alle viere von sich gestreckt und war verschieden die Zicklein aber verdrehten die Augen grlich im Kopfe steckten die Zunge von sich und gewaltsame Zuckungen verrieten da sie der Tod ebenfalls schttele So ein Unglcksfall war der guten Frau noch nicht begegnet seitdem sie wirtschaftete ganz betubt von Schreck sank sie auf ein Bndlein Stroh hin hielt die Schrze vor die Augen denn sie konnte den Jammer der sterbenden Tiere nicht ansehen und seufzte tief Ich unglckliches Weib was fang ich an Und was wird mein harter Mann beginnen wenn er nach Hause kommt Ach hin ist mein ganzer Gottessegen auf dieser Welt Augenblicklich strafte sie das Herz dieses Gedankens wegen Wenn das liebe Vieh dein ganzer Gottessegen ist auf dieser Welt was ist denn Steffen und was sind deine Kinder Sie schmte sich ihrer bereilung la fahren dahin aller Welt Reichtum dachte sie hast du doch noch deinen Mann und deine vier Kinder Wenns auch einen Strau mit Steffen setzt und er mich bel schlgt was ists mehr als ein bses Stndlein Habe ich doch nichts verwahrlost Die Ernte steht bevor da kann ich schneiden gehen und auf den Winter will ich spinnen bis in die tiefe Mitternacht eine Ziege wird ja wohl wieder zu erwerben sein und habe ich die so wirds auch nicht an Zicklein fehlen Indem sie das bei sich dachte ward sie wieder frohen Mutes trocknete ihre Trnen ab und wie sie die Augen aufhob lag da vor ihren Fen ein Blttlein das flitterte und blinkte so hell so hochgelb wie gediegen Gold Sie hob es auf besahs und es war schwer wie Gold Rasch sprang sie auf lief damit zu ihrer Nachbarin der Trdlersfrau zeigte ihr den Fund mit groer Freude und diese erkannte es fr reines Gold handelte es ihr ab und zhlte ihr dafr zwei Dicktaler bar auf den Tisch Vergessen war nun all ihr Herzeleid Solchen Schatz an Barschaft hatte das arme Weib noch nie im Besitz gehabt Sie lief zum Bcker kaufte Stietzel und Butterkringel und eine Hammelkeule fr Steffen die sie zurichten wollte wenn er mde und hungrig auf den Abend von der Reise kme Wie zappelten die Kleinen der frhlichen Mutter entgegen da sie hereintrat und ihnen ein so ungewohntes Frhstck austeilte Sie berlie sich ganz der mtterlichen Freude die hungrige Kinderschar satt zu machen und nun war ihre erste Sorge das ihrer Meinung nach von einer Hexe verzauberte Vieh beiseite zu schaffen und dieses husliche Unglck vor dem Manne so lange als mglich zu verheimlichen Aber ihr Erstaunen ging ber alles als sie von ungefhr in den Futtertrog sah und einen ganzen Haufen goldener Bltter darin erblickte Da schrfte sie geschwind das Kchenmesser ffnete den Leib der Ziege und fand im Magen einen Klumpen Gold so gro als ein groer Apfel und so auch nach Verhltnis in den Magen der Zicklein Jetzt wute sie ihres Reichtums kein Ende doch damit empfand sie auch die drckenden Sorgen desselben sie wurde unruhig scheu fhlte Herzklopfen wute nicht ob sie den Schatz in die Lade verschlieen oder in die Erde vergraben sollte frchtete Diebe und Schatzgrber wollte auch den Knauser Steffen nicht gleich alles wissen lassen aus gerechter Besorgnis da er vom Wuchergeist angetrieben den Mammon an sich nehmen und sie dennoch nebst den Kindern darben lassen mchte Sie sann lange wie sies klug damit anstellen knnte und fand keinen Rat Der Pfarrer im Dorfe nahm sich aller Bedrngten gern an und stand seinen Pfarrkindern mit Rat und Tat zur Seite Ungerechtigkeiten duldete er nicht in der Gemeinde und auch den mrrischen Steffen hatte er schon wiederholt zur Rede gestellt Zu ihm nahm das Weib ihre Zuflucht berichtete ihm unverhohlen das Abenteuer mit Rbezahl wie er ihr zu groem Reichtum verholfen und was sie dabei fr Anliegen habe und bezeugte auch die Wahrheit der Sache mit dem ganzen Schatze den sie bei sich trug Der Pfarrer wunderte sich aufs hchste ber die Begebenheit freute sich aber zugleich ber das Glck des armen Weibes und rckte darauf sein Kpplein hin und her fr sie guten Rat zu suchen um ohne Spuk und Aufsehen sie im ruhigen Besitz ihres Reichtums zu erhalten und auch Mittel aufzufinden da der zhe Steffen sich desselben nicht bemchtigen knnte Nachdem er lange berlegt hatte redete er also Hr an meine Tochter ich wei guten Rat fr alles Wge mir das Gold zu da ich dirs treulich aufbewahre dann will ich einen Brief schreiben in welscher Sprache der soll dahin lauten Dein Bruder der vor Jahren in die Fremde ging sei in der Venediger Dienst nach Indien geschifft und daselbst gestorben und habe all sein Gut dir im Testament vermacht mit dem Beding da der Pfarrer des Kirchspiels dich bevormunde damit es dir allein und keinem andern zunutze komme Ich begehre weder Lohn noch Dank von dir nur gedenke da du der heiligen Kirche einen Dank schuldig bist fr den Segen den dir der Himmel beschert hat und gelobe ein reiches Megewand in die Sakristei Dieser Rat behagte dem Weibe herrlich sie gelobte dem Pfarrer das Megewand er wog in ihrem Beisein das Gold gewissenhaft bis auf ein Quentchen aus legte es in den Kirchenschatz und das Weib schied mit frohem und leichtem Herzen von ihm Rbezahl hate das ganze Geschlecht um eines Mdchens willen das ihn berlistet hatte ob ihn gleich seine Laune zuweilen auf den milden Ton stimmten ein einzelnes Weiblein in Schutz zu nehmen und ihr gefllig zu sein So sehr die wackere Frau des Glasers mit ihren Gesinnungen und Benehmen seine Gewogenheit erworben hatte so ungehalten war er auf den barschen Steffen und trug groes Verlangen das biedere Weib an ihm zu rchen ihm einen Possen zu spielen da ihm angst und weh dabei wrde und ihn dadurch so zahm zu machen da er der Frau untertan wrde und sie ihm nach Wunsche den Daumen aufs Auge halten knne Zu diesem Behufe sattelte er den raschen Morgenwind sa auf und galoppierte ber Berg und Tal spionierte wie ein Kundschafter auf allen Landstraen und Kreuzwegen von Bhmen umher und wo er einen Wanderer erblickte der eine Brde trug war er hinter ihm her und forschte nach seiner Ladung Zum Glck fhrte kein Wanderer der diese Strae zog Glaswaren sonst htte er fr Schaden und Spott nicht sorgen drfen ohne einen Ersatz zu hoffen wenn er auch gleich der Mann nicht gewesen wre den Rbezahl suchte Bei diesen Anstalten konnte ihm der schwer beladene Steffen allerdings nicht entgehen Um die Vesperzeit kam ein rstiger frischer Mann angeschritten mit einer groen Brde auf dem Rcken Unter seinem festen sicheren Tritt ertnte jedesmal die Last die er trug Rbezahl freute sich sobald er ihn von der Ferne witterte da ihm nun seine Beute gewi war und rstete sich seinen Meisterstreich auszufhren Der keuchende Steffen hatte beinahe das Gebirge erstiegen nur die letzte Anhhe war noch zu gewinnen so ging es bergab nach der Heimat zu darum sputete er sich den Gipfel zu erklimmen aber der Berg war steil und die Last war schwer Er mute mehr als einmal ruhen sttzte den knotigen Stab unter den Korb um das drckende Gewicht zu mindern und trocknete den Schwei der ihm in groen Tropfen vor der Stirn stand Mit Anstrengung der letzten Krfte erreichte er endlich die Zinne des Berges und ein schner gerader Pfad fhrte zu dessen Abhang Mitten am Wege lag ein abgesgter Fichtenbaum und der berrest des Stammes stand daneben kerzengerade und aufrecht oben geebnet wie ein Tischblatt Ringsumher grnten in groen Mengen Grser und Kruter Dieser Anblick war dem ermdeten Lasttrger so anlockend und zu einem Ruheplatz so bequem da er alsbald den schweren Korb auf den Klotz absetzte und sich gegenber im Schatten auf das weiche Gras streckte Hier bersann er wieviel reinen Gewinn ihm seine Ware diesmal einbringen wrde und fand nach genauem berschlag da wenn er keinen Groschen ins Haus verwendete und die fleiige Hand seines Weibes fr Nahrung und Kleidung sorgen liee er gerade so viel lsen wrde um auf dem Markte zu Schmiedeberg sich einen Esel zu kaufen und zu befrachten Der Gedanke wie er in Zukunft dem Grauschimmel die Last aufbrden und gemchlich nebenher gehen wrde war ihm zu der Zeit wo seine Schultern eben wund gedrckt waren so herzerquickend da er ihm wie es bei frohen Zukunftsbildern sehr natrlich ist weiter nachging Ist einmal der Esel da dachte er so soll mir bald ein Pferd draus werden und hab ich nun den Rappen im Stalle so wird sich auch ein Acker dazu finden darauf sein Hafer wchst Aus einem Acker werden dann leicht zwei aus zweien vier mit der Zeit eine Hufe und endlich ein Bauerngut und dann soll Ilse auch einen neuen Rock haben Er war mit seinen Plnen beinahe so weit fertig da tummelte Rbezahl seinen Wirbelwind um den Holzklotz herum und strzte mit einemmal den Glaskorb herunter da der zerbrechliche Kram in tausend Stcke zerfiel Das war ein Donnerschlag in Steffens Herz zugleich vernahm er in der Ferne ein lautes Gelchter wenns anders nicht Tuschung war und das Echo den Laut der zerschellten Glser nur wiedergab Er nahms fr Schadenfreude und weil ihm der unmige Windsto unnatrlich schien auch da er recht zusah Klotz und Baum verschwunden waren so riet er leicht auf den Unglcksstifter Oh wehklagte er Rbezahl du Schadenfroh was habe ich dir getan da du mein Stckchen Brot mir nimmst meinen sauren Schwei und Blut Ach ich geschlagener Mann auf Lebenszeit Hierauf geriet er in eine Art von Wut stie alle erdenklichen Schmhreden gegen den Berggeist aus um ihn zum Zorn zu reizen Halunke rief er komm und erwrge mich nachdem du mir mein alles auf der Welt genommen hast In der Tat war ihm auch das Leben in dem Augenblick nicht mehr wert als ein zerbrochen Glas Rbezahl lie indessen weiter nichts von sich sehen noch hren Der verarmte Steffen mute sich entschlieen wenn er nicht den leeren Korb nach Hause tragen wollte die Bruchstcke zusammenzulesen um auf der Glashtte wenigstens ein paar Spitzglser zum Anfang eines neuen Gewerbes dafr einzutauschen Tiefsinnig wie ein Schiffsherr dessen Schiff der gefrige Ozean mit Mann und Maus verschlungen hat ging er das Gebirge hinab schlug sich mit tausend schwermtigen Gedanken machte zwischendrein dennoch auch allerlei Plne wie er den Schaden ersetzen und seinem Handel wieder aufhelfen knne Da fielen ihm die Ziegen ein die seine Frau im Stalle hatte doch sie liebte sie schier wie ihre Kinder und im Guten wute er waren sie ihr nicht abzugewinnen Darum erdachte er diesen Kniff sich seinen Verlust zu Hause gar nicht merken zu lassen auch nicht bei Tage in seine Wohnung zurckzukehren sondern um Mitternacht sich ins Haus zu schleichen die Ziegen nach Schmiedeberg auf den Markt zu treiben und das daraus gelste Geld zum Ankauf neuer Ware zu verwenden bei seiner Zurckkunft aber mit dem Weibe zu hadern und sich ungebrdig zu stellen als habe sie durch Unachtsamkeit das Vieh in seiner Abwesenheit stehlen lassen Mit diesem wohlersonnenen Vorhaben schlich der unglckliche Scherbensammler nahe beim Dorfe in einen Busch und wartete mit sehnlichem Verlangen die Mitternachtsstunde um sich selbst zu bestehlen Mit dem Schlag zwlf machte er sich auf den Diebsweg kletterte ber die niedrige Hoftr ffnete sie von innen und schlich mit Herzpochen zum Ziegenstalle er hatte doch Scheu und Furcht vor seinem Weibe auf einer unrechten Tat sich ertappen zu lassen Wider Gewohnheit war der Stall unverschlossen was ihn wunder nahm obs ihn gleich freute denn er fand in dieser Fahrlssigkeit einen Schein Rechtens sein Vornehmen damit zu beschnigen Aber im Stalle fand er alles de und wste da war nichts was Leben und Odem hatte weder Ziege noch Bcklein Im ersten Schrecken vermeinte er es habe ihm bereits ein Diebesgesell vorgegriffen dem das Stehlen gelufiger sei als ihm denn ein Unglck kommt selten allein Bestrzt sank er auf die Streu und berlie sich da ihm auch der letzte Versuch seinen Handel wieder in Gang zu bringen milungen war einer dumpfen Traurigkeit Seitdem die geschftige Ilse vom Pfarrer wieder zurck war hatte sie mit frohem Mute alles fleiig zugeschickt ihren Mann mit einer guten Mahlzeit zu empfangen wozu sie den Pfarrer auch eingeladen hatte welcher verhie ein Knnlein Speisewein mitzubringen um beim frhlichen Gelag dem aufgemunterten Steffen von der reichen Erbschaft des Weibes Bericht zu geben und unter welcherlei Bedingungen er daran Genu und Anteil haben solle Sie sah gegen Abend fleiig zum Fenster hinaus ob Steffen kme lief aus Ungeduld hinaus vors Dorf blickte mit ihren schwarzen Augen gegen die Landstrae hin war bekmmert warum er so lange weile und da die Nacht hereinbrach folgten ihr bange Sorgen und Ahnungen in die Schlafkammer ohne da sie ans Abendbrot dachte Lange kam ihr kein Schlaf in die ausgeweinten Augen bis sie gegen Morgen in einen unruhigen matten Schlummer fiel Den armen Steffen qulten Verdru und Langeweile im Ziegenstall nicht minder er war niedergedrckt und kleinlaut da er sich nicht getraute an die Tr zu klopfen Endlich kam er doch hervor pochte ganz verzagt an und rief mit wehmtiger Stimme Liebes Weib erwache und tu auf deinem Manne Sobald Ilse seine Stimme vernahm sprang sie flink vom Lager wie ein munteres Reh lief an die Tr und umhalste ihren Mann mit Freuden er aber erwiderte diese herzigen Liebkosungen gar kalt und frostig setzte seinen Korb ab und warf sich mimutig auf die Ofenbank Wie das frhliche Weib das Jammerbild sah gings ihr ans Herz Was fehlt dir lieber Mann sprach sie bestrzt was hast du Er antwortete nur durch Sthnen und Seufzen dennoch fragte sie ihm bald die Ursache des Kummers ab und weil ihm das Herz zu voll war konnte er sein erlittenes Unglck dem trauten Weibe nicht lnger verhehlen Da sie vernahm da Rbezahl den Schabernack verbt hatte erriet sie leicht die wohlttige Absicht des Geistes und konnte sich des Lachens nicht erwehren welches Steffen bei erregterer Gemtsverfassung ihr bel wrde gelohnt haben Jetzt rgte er den scheinbaren Leichtsinn nicht weiter und fragte nur ngstlich nach dem Ziegenvieh Das reizte noch mehr des Weibes Lachen da sie bemerkte da der Hausvogt schon allenthalben umherspioniert hatte Was kmmert dich mein Vieh sprach sie hast du doch noch nicht nach den Kindern gefragt das Vieh ist wohl aufgehoben drauen auf der Weide La dich auch den Tck von Rbezahl nicht anfechten und grme dich nicht wer wei wo er oder ein anderer uns reichen Ersatz dafr gibt Da kannst du lange warten sprach der Hoffnungslose Ei nun versetzte das Weib unverhofft kommt oft Sei unverzagt Steffen Hast du gleich keine Glser und ich keine Ziegen mehr so haben wir doch vier gesunde Kinder und vier gesunde Arme sie und uns zu ernhren das ist unser ganzer Reichtum Ach da es Gott erbarme rief der bedrngte Mann sind die Ziegen fort so trage die vier Blge nur gleich ins Wasser nhren kann ich sie nicht Nun so kann ichs sprach Ilse Bei diesen Worten trat der freundliche Pfarrer herein hatte vor der Tr schon die ganze Unterredung abgelauscht nahm das Wort hielt Steffen eine lange Predigt ber den Text da der Geiz eine Wurzel alles bels sei und nachdem er ihm das Gesetz genugsam geschrft hatte verkndigte er ihm nun auch die frohe Botschaft von der reichen Erbschaft des Weibes zog den welschen Brief heraus und bersetzte ihm darauf da der zeitige Pfarrherr in Kirsdorf zum Vollstrecker des Testaments bestellt sei und die Hinterlassenschaft des abgeschiedenen Schwagers zu sicherer Hand bereits empfangen habe Steffen stand da wie ein stummer lgtz konnte nichts als sich dann und wann verneigen wenn bei Erwhnung der durchlauchten Republik Venedig der Pfarrer ehrerbietig ans Kpplein griff Nachdem er wieder ein wenig zur Besinnung gelangt war fiel er dem trauten Weibe herzig in die Arme und versprach ihr von jetzt ab sie nicht mehr rauh zu behandeln sondern sie in Ehre und Liebe zu halten Steffen wurde der geschmeidigste geflligste Ehemann ein liebevoller Vater seiner Kinder und dabei ein fleiiger ordentlicher Wirt denn Miggang war nicht seine Sache Der redliche Pfarrer verwandelte nach und nach das Gold in klingende Mnze und kaufte davon ein groes Bauerngut worauf Steffen und Ilse wirtschafteten ihr Leben lang Den berschu lieh er auf Zins und verwaltete das Kapital so gewissenhaft wie den Kirchenschatz und nahm keinen andern Lohn dafr als ein Megewand das Ilse so prchtig machen lie da kein Erzbischof sich desselben htte schmen drfen Die zrtliche treue Mutter erlebte noch im Alter groe Freude an ihren Kindern und Rbezahls Gnstling wurde gar ein wackerer Mann diente im Heer des Kaisers lange Zeit unter Wallenstein im Dreiigjhrigen Kriege